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Vom Zuckerbäckerhaus zum Weinbergsaal

Zur Wiedereröffnung des Dresdner Kulturpalastes kann man im Stadtmuseum die Baugeschichte nachvollziehen

  • Von Hendrick Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

Es wäre, allerdings nur im Wortsinne, ein überragendes Bauwerk geworden. 124 Meter hoch sollte der Turm des »Hauses der Partei« werden, das Herbert Schneider, Chefarchitekt von Dresden, in filigranen Zeichnungen entwarf. Der Bau, der inmitten des zerstörten Stadtzentrums am Altmarkt geplant war, zitierte mit seinen verschnörkelten Dachreitern das sächsische Barock, erinnerte aber auch an den Zuckerbäckerstil der Moskauer Lomonossow-Universität – und entsprach den in der Sowjetunion ersonnenen »16 Grundsätzen des Städtebaus«, die unter anderem eine Dominante im Zentrum der sozialistischen Stadt forderten.

Es kam dann anders. Aus dem »Haus der Partei« wurde ein Kulturpalast; statt eines über das Elbtal aufschießenden Hochhauses wurde ein Flachbau errichtet, der heute zu den wichtigsten Zeugnissen der architektonischen Nachkriegsmoderne in der DDR gezählt wird. Anders als der zwischenzeitlich abgerissene »Palast der Republik« in Berlin, als dessen Vorläufer er gilt, hat der Dresdner Palast die Zeiten überdauert – und steht nun vor einem Neuanfang: Nach einer dreieinhalb Jahre währenden und 96 Millionen Euro teuren Sanierung wird er am Freitag mit einem Festkonzert wieder eröffnet.

Das benachbarte Stadtmuseum nimmt dieses Ereignis zum Anlass, die Entstehung des Baus noch einmal Revue passieren zu lassen – eines Baus, der seit dem Jahr 1952 geplant worden war, schließlich zum 20. Jahrestag der DDR im Oktober 1969 übergeben wurde und »Kraft, Größe, Überlegenheit und den Optimismus der sozialistischen Gesellschaft (…) zum Ausdruck bringen« solle, wie der Chef des Stadtplanungsamtes formulierte. Im Alltag war er eines der ersten multifunktionalen Kultur- und Kongresszentren der Republik, in dem Berufs- wie Laienkünstler tätig waren und vom Orgelkonzert über die »Brückenmännchen«-Revue bis zum Dixieland alle Arten von Veranstaltungen stattfanden.

Möglich machte das ein Mehrzwecksaal, dessen Parkettboden gekippt werden konnte. Er sei »der eigentliche Clou und Mittelpunkt des Hauses« gewesen, heißt es Ausstellung – und er ist mit der Sanierung verschwunden und durch einen klassischen Konzertsaal ersetzt worden, der wegen seiner übereinander geschichteten Balkone als »Weinbergsaal« bezeichnet wird. Der Umbau hatte in der Stadt für viele Debatten gesorgt und auch Gerichte beschäftigt: Wolfgang Haensch, Architekt des Kulturpalastes, hatte eine Klage gegen den Umbau 2012 verloren; ein Jahr später starb er. In der Ausstellung enthält man sich eines Urteils. Kuratorin Claudia Quiring weist aber darauf hin, dass die schwierige Akustik im Saal bereits kurz nach Eröffnung des Kulturpalastes ein Thema war.

Ein anderes markantes Detail des Dresdner Kulturpalastes hat dagegen überdauert: das Fassadenrelief »Der Weg der roten Fahne« von Gerhard Bondzin, das jahrelang nur hinter einer Art Vorhang zu sehen war. An seiner Stelle hätte auch das Werk eines heute international renommierten Künstlers aus Dresden zu sehen sein können. Einer der Entwürfe, so erinnert die Ausstellung, kam von einem gewissen Ralf Winkler, der später als A. R. Penck berühmt wurde. Eine Jury urteilte aber, die gemeinsam mit Peter Makolies erstellte Arbeit »widerspricht dem Raumgefühl«. Besucher der Ausstellung können sich ihr eigenes Urteil bilden – bevor sie dann Raumgefühl und Klangerlebnis im neuen Kulturpalast erproben.

»Der Kulturpalast. Architektur als Auftrag«. Bis 17. September im Stadtmuseum Dresden, Eingang Landhausstraße. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, freitags bis 19 Uhr. Eintritt 5/4 Euro

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