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Anträge gegen Gigantenhochzeit

Geplante Übernahme von Monsanto soll bei Bayer-Hauptversammlung Thema sein

Wenn Bayer-Vorstand Werner Baumann am Freitagmorgen die Protestreihen vor dem Bonner World Conference Center passiert hat, erwartet ihn eine angenehme Aufgabe. In seiner Rede vor der Hauptversammlung kann er den Aktionären ein weiteres Rekordjahr präsentieren. Bei einem leichten Anstieg des Umsatzes auf 46,8 Milliarden Euro hat der Pharma- und Agrarchemiekonzern 2016 seinen Gewinn um mehr als zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gesteigert.

Weiteres Thema wird der Stand der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto sein, die laut Baumann gut vorankommt und 2017 abgeschlossen sein soll. Insgesamt muss der Megadeal von 30 Kartellbehörden genehmigt werden. Auch eine Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter steht noch aus. Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) forderte eine strenge Prüfung »mit Blick auf das Ziel einer nachhaltigen und vielfältigen Land- und Lebensmittelwirtschaft«. Durch die Fusion entstehe ein »Mega-Agrochemie-Unternehmen, das den Weltmarkt dominieren wird und gegenüber Landwirten und Verbrauchern deutlich höhere Preise durchsetzen könnte«, sagte Remmel der »Rheinischen Post«. Außerdem drohe die Einführung von »unerwünschten gentechnischen Produkten durch die Hintertür«.

Noch hat der Konzern nach Angaben eines Sprechers keinen Antrag bei den EU-Kartellbehörden eingereicht. Die Chancen für eine Genehmigung stehen derweil nicht schlecht angesichts der Nachrichten über weitere Fusionen in der Branche. Wie auch bei der Übernahme von Syngenta durch den chinesischen Konzern ChemChina sowie der Fusion von Dow Chemical und DuPont ist zu erwarten, dass Bayer als Kartellauflage Unternehmensteile verkaufen muss. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux geht davon aus, dass Unternehmensteile im Wert von insgesamt mindestens 11,5 Milliarden Euro auf den Markt kommen werden.

Bei Bayer könnte der Verkauf der Tochter Covestro anstehen, zumal der Konzern Geld zur Finanzierung der Übernahme baucht. Anfang März hat der Leverkusener DAX-Konzern seine Beteiligung an dem Werkstoffhersteller bereits reduziert.

Die Bayer-Aktionäre müssen der Übernahme nicht zustimmen. Das deutsche Aktienrecht sieht dies nicht vor. Der Aufsichtsrat hatte bereits im August 2016 sein Jawort gegeben. Dennoch werden die Kritischen Aktionäre den Kauf zum Thema machen. So hat die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) den Antrag gestellt, die Unternehmensführung nicht zu entlasten, weil der Kauf von Monsanto zahlreiche Gefahren heraufbeschwöre. »Monsanto und Bayer haben es auf der ganzen Welt darauf abgesehen, jedes Glied bei den Wertschöpfungsketten Nahrung und Gesundheit zu kontrollieren«, warnte die indische Aktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva. Die Folge wären höhere Kosten für Saatgut und Pestizide. Zudem drohe den Beschäftigten durch den Abbau von Parallelstrukturen und Rationalisierungen die Vernichtung ihrer Arbeitsplätze.

»Bei dem Deal geht es einzig und allein um Profit«, kritisiert Axel Köhler-Schnura vom CBG-Vorstand. »Weil der Agrarmarkt kriselt, kann die Branche ihre Renditen nicht durch eine Erschließung neuer Absatzgebiete und einer damit verbundenen Ausweitung der Produktion erhöhen. Auch Programme zur Effizienzsteigerung bringen ihr zu wenig. Also drängen Black-Rock und andere große Vermögensverwalter Bayer & Co. zu Fusionen und Übernahmen, um die bei solchen Operationen immer viel beschworenen ›Synergieeffekte‹ zu generieren.«

Auf der Hauptversammlung zur Sprache kommen soll auch das kürzlich gefällte Urteil des Monsanto-Tribunals in Den Haag. Auf Einladung zivilgesellschaftlicher Gruppen hatten fünf international tätige Richter in einem Rechtsgutachten festgestellt, dass sich Monsanto über zentrale UN-Übereinkommen hinwegsetzt. Im Mittelpunkt der Kritik steht das Pestizid Glyphosat. Da das Ackergift nicht nur für das Auslösen von Krankheiten, sondern auch für Schädigungen von Wasser und Boden verantwortlich gemacht wird, sieht das Tribunal einen schweren Verstoß gegen UN-Leitprinzipien wie das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Nahrung und das Recht auf eine saubere Umwelt.

In weiteren Gegenanträgen erheben kritische AktionärInnen Einspruch gegen die geplante Gewinnverwendung, machen alternative Vorschläge zur Besetzung des Aufsichtsrats und plädieren für die Nicht-Entlastung des Vorstands. Laut CBG hat dieser die Verantwortung für die Vermarktung gesundheitsgefährdender Chemikalien und Medikamente und ist deshalb nicht länger tragbar.

Bayer-Chef Baumann erwarten also nicht nur heitere Stunden und zufriedene Aktionäre in Bonn. Seine positiven Aussichten für den Mega-Deal wird das jedoch wohl nicht trüben.

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