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Sie herrschen und strafen

Bollywood-Stars beuten Haushälterinnen aus

  • Von Frederic Spohr, Bangkok
  • Lesedauer: 2 Min.

Bollywood-Stars werden in Indien wie Halbgötter verehrt. Wie ein indisches Start-up-Unternehmen berichtet, verhalten sich einige Schauspieler und Sänger der indischen Filmbranche offenbar auch so: Sie herrschen und strafen erbarmungslos. Es ist ein schockierender Bericht, den das Unternehmen BookMyBai.com auf seiner Website veröffentlicht. Die Agentur vermittelt Haushaltshilfen in mehreren indischen Städten, nach eigenen Angaben hat sie bereits mehr als 10 000 Kunden bedient. Doch mit einer Kundengruppe will Firmenchef Anupam Sinhal nichts mehr zu tun haben: »Wir haben viel mit Bollywood-Stars zusammengearbeitet«, schreibt Sinhal auf der Website. »Aber unsere Erfahrungen sind einfach entsetzlich.«

Auch wenn Sinhal nicht die Namen der beschuldigten Stars nennt, halten viele Beobachter seinen Bericht für glaubwürdig. Auf seinem Blog berichtet er von fünf Fällen, bei denen es zu Misshandlungen und Ausbeutungen gekommen sein soll. Insgesamt habe er mit 35 Bollywood-Größen zusammengearbeitet, bei 26 habe es Probleme gegeben, sagte er in einem Interview. In mehreren Fällen soll es zu körperlichem Missbrauch gekommen sein. Andere Prominente hätten Angestellten die Bezahlung verwehrt oder das Gehalt gekürzt. Einer Haushaltshilfe sei verboten wurden, zur Beerdigung ihrer Mutter zu gehen.

Juristisch gegen seine Kunden vorgehen will Sinhal nicht. Seine Firma könnte teure Rechtsstreitigkeiten mit oft einflussreichen Prominenten nicht finanzieren. Auch habe er nicht die volle Unterstützung der Frauen: In einem Fall habe Sinhal die Haushaltshilfe aufgefordert, ihre Peinigerin anzuzeigen. Die Putzhilfe habe das abgelehnt. »Bei jeder Befragung müsste sie auf Arbeitseinkommen verzichten«, so Sinhal. Zudem würden die Frauen eine gesellschaftliche Stigmatisierung befürchten. Nachdem Sinhal von seinen Erfahrungen berichtet hatte, wagten sich andere Inhaber von Agenturen aus der Deckung. So sagte der Besitzer von Happy Maids Service der »Hindustan Times«, er arbeite bereits seit drei Jahren nicht mehr mit Bollywood-Stars zusammen.

Sinhals Berichte werfen ein Schlaglicht auf die harten Arbeitsbedingungen von Millionen indischer Haushaltshilfen. Sie schuften nicht nur in den Villen reicher Promis. Schätzungsweise 50 Millionen Haushaltshilfen arbeiten in Indien, die meisten von ihnen haben keinen Arbeitsvertrag.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hat mehrmals auf die prekären Arbeitsverhältnisse der Frauen aufmerksam gemacht. Seit Jahren wird in Indien über ein Gesetz diskutiert, das die Rechte der Haushälterinnen stärken könnte. Es soll eine gewisse Zahl Urlaubstage und einen Mindestlohn garantieren. Noch hat das Kabinett den Entwurf nicht verabschiedet.

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