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Papst auf schwieriger Mission

Franziskus will in Zeiten des Terrors Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederbeleben

  • Von Oliver Eberhardt, Kairo
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Luft ist stickig; trotz der Hitze ist der Innenraum des Cafés im Zentrum der nordägyptischen Stadt Tanta voll: »Im Moment hält man sich hier nicht so gern draußen auf«, sagt Youssef, während er an seinem Kaffee nippt; man müsse derzeit mit allem rechnen, fügt er hinzu, bevor er und die Männer um ihn herum in ein Klagelied einstimmt, dass in Ägypten derzeit oft zu hören ist: Die Islamisten wollten die Gesellschaft zerstören, jeden vertreiben, der anders denke, anders glaube als sie.

Fast drei Wochen ist es her, seit in der St. Georgs-Kirche in Tanta am Palmsonntag eine Bombe explodierte, 29 Menschen tötete. Kurz darauf zündete vor einer Kirche in Alexandria ein Selbstmordattentäter seine Bombe; an zwei weiteren Orten wurden Sprengsätze gefunden; insgesamt starben 47 Menschen.

Dass Papst Franziskus heute dennoch Ägypten besucht, hat viele Ägypter überrascht. Nach den Anschlägen war in den einheimischen Medien gerätselt worden, ob er überhaupt kommen wird. Dass der Papst nicht nur trotz der Anschläge nach Ägypten reist, sondern auch noch auf ein gepanzertes Fahrzeug verzichtet, hat ihm eine große Zahl von neuen Freunden beschert. Taxifahrer, selbst Schulkinder erläutern mit strahlendem Lächeln, dass Ägypten nach Libanon und Palästina erst das dritte arabische Land ist, das von einem Papst besucht wird; dass er zudem auch noch öffentlich auftreten wird, während alle anderen hochrangigen Gäste streng bewacht von einem abgeschirmten Termin zum nächsten fahren. Der Papstbesuch ist eine Salbung für den ägyptischen Nationalstolz, der nach Jahren der Umstürze und Gewalt schwer gelitten hat.

Zwar bekannte sich eine örtliche Gruppe, die sich dem Islamischen Staat zurechnet, zu den Anschlägen am Palmsonntag, sowie zu einem Anschlag auf eine Kirche in Kairo im Dezember und einen Angriff auf das St. Katharinen-Kloster auf der Sinai-Halbinsel am vergangenen Wochenende. Doch vor allem außerhalb der Städte sind antichristliche Ressentiments weit verbreitet; dort hat die mittlerweile verbotene Muslimbruderschaft, aus deren Reihen der 2013 abgesetzte Präsident Muhammad Mursi stammte, nach wie vor ihre Hochburgen. Vor allem Jugendliche werfen »den Christen« vor, sie hätten den Sturz Mursis geplant, um Ägypten zu einem christlichen Land zu machen. Immer wieder versammelten sich damals Mobs vor christlichen Einrichtungen, verwüsteten Kirchen und Gemeindehäuser. Gut zehn Prozent der etwa 92 Millionen Ägypter sind Christen; die meisten davon rechnen sich den Kopten zu, an deren Spitze Papst Tawadros steht. 250 000 sind Katholiken.

Während in Kairo, Alexandria und Tanta die Menschen gemeinsam Kaffee trinken, und die Religion dabei keine Rolle spielt, sieht die Situation schon wenige Kilometer außerhalb der Großstädte anders aus: Mit Christen wolle man nichts zu tun haben, heißt es dort, und an öffentlichen Orten liegen Flugblätter, auf denen Prediger mitteilen, der Papst wolle die Ägypter bekehren. In einem dieser Dörfer arbeitet Mohammad Hassan, ein junger Imam, der erst vor zwei Jahren hierher geschickt wurde, nachdem sein Vorgänger wegen Verbindungen zur Muslimbruderschaft von der Regierung abgesetzt worden war: »In meiner Ausbildung an der Al-Azhar-Universität wurde ich auch mit den Grundzügen des Christentums vertraut gemacht«, sagt Hassan, »früher war das nicht so. Aber hier auf dem flachen Land ist es unfassbar schwierig, damit zu den Menschen vorzudringen, weil sich Politik und Religion so stark vermischen.«

Papst Franziskus wird sich auch mit Scheich Ahmad al-Tayyib, Groß-Imam der Al -Azhar-Universität, treffen, die für sunnitischen Islam eine maßgebliche Rolle spielt. Ein Sprecher Tayyibs sagte, man hoffe darauf, dass das Treffen ein neues Kapitel in den Beziehungen zum Vatikan aufschlage. Nachdem Papst Be-nedikt XVI. 2011 einen Anschlag auf eine Kirche verurteilt hatte, brach Al- Azhar die Kontakte zum Vatikan ab, weil man die Kritik auf sich selbst bezog. Doch mittlerweile sieht man auch hier die Notwendigkeit für einen neuen Dialog: Der Islamische Staat sei ein gemeinsamer Feind, den man bekämpfen müsse.

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