Pädagogik der Menschlichkeit

Neulehrer sollten 1947 in Ostberlin Nazis ersetzen - ein Klassentreffen nach 70 Jahren

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Wilhelm Klauß sitzt vorne. Wie früher. Leise zählt er seine Schüler. Wie früher. »Heute sind wir 17«, sagt er schließlich feierlich. »Zusammen sind wir knapp 1400 Jahre alt.« Nicht mehr ganz so jung wie früher.

Vor 95 Jahren hat Klauß in der Rigaer Straße das Licht der Welt erblickt, seine Schüler sind fast alle über 80 Jahre alt. Am 1. September 1947, vor knapp 70 Jahren, hat Klauß die fünfte Klasse der »Grundschule Nummer 4« in Wilhelmsruh in Pankow übernommen. Es war seine erste - und »die beste Klasse in meinen 40 Jahren«, sagt der ehemalige Klassenlehrer zur Begrüßung. Seither trifft sich die Gruppe jedes Jahr im April.

Es ist kurz nach 15 Uhr, ein paar Nachzügler betreten das Restaurant »Zum Schaukelpferd«. Die Frauen hatten sich bereits zuvor getroffen, um die Schillerstraße hinunterzugehen, wo einst ihr Schulgebäude stand. Eine überreicht Klauß einen Strauß bunter Tulpen, auf einem Tisch steht bereits ein großer Präse...


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