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Ein bisschen Frieden

Neues vom Staatsballett

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Sie war mit Spannung erwartet worden: die erste differenzierte Pressekonferenz des neuen Leitungsdoppels beim Staatsballett Berlin. Weil Nacho Duato seinen Intendantenposten vorzeitig räumt, tritt der Schwede Johannes Öhman seine Funktion bereits im Sommer 2018 an. Planmäßig ein Jahr später wird Sasha Waltz als Ko-Intendantin folgen.

Nach erheblichen Widerständen der Tänzer, bis hin zu einer Petition gegen die Berufung von Sa᠆sha Waltz, scheint nun Frieden eingekehrt. So klang es aus den Worten von Ensemblesprecherin Elinor Jagodnik. Denn tags zuvor hatte es ein erstes Treffen der Compagnie mit ihrem designierten Leitungsteam gegeben, auf dem Fragen beantwortet und Ängste zum Fortbestand als klassisches Ensemble ausgeräumt werden konnten. Für einen Schlussstrich plädierte auch Waltz.

Das von Öhman vorgestellte gemeinsame Programm für seine erste Spielzeit bietet wenig Überraschendes und klingt dennoch einladend. An der Komischen Oper hat im September 2018 ein Zweiteiler mit Werken der Israelin Sharon Eyal und des Saarbrücker Direktors Stijn Celis Premiere. Die Staatsoper erlebt im November eine Neuversion von »La Bayadère« durch Ex-Bolschoi-Chef Aleksei Ratmansky, und an der Deutschen Oper studiert der Däne Frank Andersen im März 2019 ein Doppel aus »La Sylphide« sowie dem Schlussakt von »Napoli«, zwei Bournonville-Balletten, ein. Mit dem Amerikaner Richard Siegal wird dann an der Lindenoper im Rahmen eines Dreiteilers zeitgenössischer Tanz einziehen. Auch künftig will das Leitungsduo die vermeintliche Kluft zwischen zeitgenössischem und klassischem Tanz schließen helfen, die international bereits kaum mehr besteht. Löblich ist dennoch die Vision, neuen Tendenzen eine Plattform zu bieten, alle Stile ebenbürtig präsentieren zu wollen.

Im Gespräch für Neuproduktionen in den folgenden Jahren sind Stuttgarts einstige Ballerina Marcia Haydée mit »Giselle«, weiterhin Mats Ek und William Forsythe. Die Werke John Crankos erhalten als historisch wertvoll Bleiberecht im Spielplan. Mit vielen Choreografen, so Öhman, gibt es derzeit Verhandlungen, die noch nicht spruchreif gediehen sind. Waltz wünscht sich eine intensivere Zusammenarbeit mit den drei Opernorchestern und möchte Komponisten zur Kreation ermuntern. Mit den Intendanten der Opern laufen Verhandlungen über Projekte »auf Augenhöhe«.

Die erste Neuschöpfung von Waltz ist für 2020 zu erwarten. Die eigene Compagnie, Sasha Waltz & Guests, wird sie weiterhin künstlerisch betreuen, die Leitung ihrem Ehemann Jochen Sandig übertragen und die Tänzer eigenständiger arbeiten lassen. Ihr Primat, so Waltz, liege eindeutig beim Staatsballett. Workshops sollen dort die Tänzer für moderne Stile vorbereiten und sie »auf dem Weltatlas platzieren«. Viele Fragen konnten freilich nicht beantwortet werden, so zu Personalien und zur Fluktuation - auch nicht, weshalb das Staatsballett entgegen internationaler Gepflogenheit zwei Leiter braucht.

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