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Die Bestie war wirklich furchterregend

Angst vor Hunden hatte ich nie, bis ich eines Tages eines Schlechteren belehrt wurde

  • Von Rudolf Engler, Hannover
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Kind bin ich auf dem Land aufgewachsen, wo jeder Hausbesitzer einen Wachhund besaß. Leider waren diese Tiere angekettet, was sie besonders aggressiv machte. Mich kannten die Hunde, und ich durfte mich ihnen nähern, sie füttern und streicheln. Angstgefühle gegenüber Hunden kannte ich nicht.

Jahre später, nachdem wir in der Großstadt wohnten und einen eigenen Hund besaßen, habe ich bemerkt, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn sich ihnen ein Hund nähert. Menschen, die Angst haben, verströmen Adrenalin, was bei manchen Hunden, wenn sie dieses riechen, Jagdinteresse auslöst. Da der Hundehalter seinen Hund jederzeit in seiner Gewalt haben muss, ist diese Gefahr im Grunde gebannt.

Meine Angstlosigkeit gegenüber Hunden wurde während meiner beruflichen Tätigkeit abrupt beendet. Ein Kunde von mir, welcher einen Sportplatz mit Restauration am Stadtrand besaß, bat mich, ihn beim Umbau seines Vereinshauses zu beraten. Froh gelaunt habe ich meine Arbeitsmaterialien in die Aktentasche gepackt und bin zum Kunden gefahren. Das Sportplatzgelände war eingezäunt. An der Eingangstür befand sucg ein Klingelknopf und ein Schild warnte: »Vorsicht bissiger Hund!«

Mehrmals habe ich vergeblich den Klingelknopf betätigt, ohne dass sich etwas tat. Sollte der Kunde nicht im Objekt oder eventuell die Klingelanlage defekt sein? Ich habe die Eingangstür geöffnet und bin in Richtung Vereinshaus gegangen. Plötzlich stand er vor mir, dieser Schäferhund, mit einer Mähne wie ein Löwe. Sein Gebärden deutete mir unmissverständlich an: »Dies ist mein Revier. Du hast hier nichts zu suchen. Verschwinde!« Die Bestie war wirklich furchterregend. Den Kopf leicht gesenkt, die Nackenhaare zu einer Bürste aufgestellt, die Lefzen, soweit es ging, nach oben gezogen, Zähne fletschend und ein grässliches Knurren, das durch Mark und Bein ging.

Abrupt blieb ich stehen und bemerkte, in was für einer gefährlichen Situation ich steckte, die ich mir selber eingebrockt hatte. Langsam versuchte ich weiterzugehen. Das war gar nicht gut. Zurück ebenso wenig. Die Bestie wurde immer aggressiver. Das erste Mal in meinem Leben, dass ein Hund mir Angst machte. So stand ich noch eine Weile, wie versteinert. Meine Aktentasche wurde schwerer und schwerer. Ich ließ sie einfach fallen. Die Bestie erschrak und wurde noch ungestümer. Wie lange sollte dieser Horror dauern?

Mein Hirn arbeitete auf Hochtouren. Ich suchte nach einer Lösung, wie ich die Gefahr bannen könnte. Schließlich fiel mir eine alte List ein, die da lautet: »Wenn ihr sie nicht überzeugen könnt, müsst ihr sie verwirren.« Lautstark fing ich an, wie eine Katze zu miauen. Das Ergebnis war frappierend. Die Bestie war total erschrocken und nahm, wie vom Teufel getrieben, Reißaus. Nun konnte ich meinen Weg vorsichtig fortsetzen. Ich mag Hunde, besonders wenn sie gut erzogen sind.

Im Vereinshaus angekommen, fragte mich der Kunde ganz erstaunt: »Woher kommen Sie denn? Und was ist mit dem Hund?« Ich berichtete ihm von meinem Horrortrip und seinem aufmerksamen Wachhund. Als ich ihm erzählte, was passiert war, wollte er nicht glauben, dass ich Herold überlistet hatte. Womit sich wieder einmal bewahrheitete: »Wer wagt, gewinnt!«

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