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Zank über fehlende Erzieher

Gewerkschaft fordert klare Regelungen für Quereinsteiger und Sozialassistenten in Kitas

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ihre Kritik an der neuen Regelung zum Einsatz von Quereinsteigern und Sozialassistenten in Kitas bekräftigt. »Das ist eine Aufweichung des Fachkräftegebots«, sagte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW Berlin, am Freitag. Gleichzeitig forderte sie konkrete Regeln, um dem Fachkräftemangel zu begegnen: »Wir sehen die dramatische Situation, das ist keine Frage.«

Am Donnerstag vergangene Woche hatte die Senatsverwaltung den Kitas mitgeteilt, dass sie ab Mai Sozialassistenten zwei Jahre lang beschäftigen und diese in der Personalplanung wie Erzieher anrechnen können. Erst danach müssten sie eine Ausbildung beginnen. Diese Regelung gilt für drei Jahre. Zudem können mehr Quereinsteiger in Kitas arbeiten, unter anderem jene, die eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher absolvieren. Die Quote erhöht sich von 25 auf 33 Prozent.

Hintergrund ist der Fachkräftemangel: Bis zum Kita-Jahr 2019/20 sollen zusätzliche 7000 Erzieher eingestellt werden. Aktuell gibt es bereits mehr als 3000 Kitaplätze, die nicht vergeben werden - Personalmangel ist einer der Gründe.

Nachdem die GEW am Montag Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) für die Neuregelung kritisiert hatte, folgte eine Auseinandersetzung, die die Spaltung in dieser Frage offenbarte. Zu den Kritikern gehörte auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die AfD fürchtete den »Abbau der Bildung«. Selbst die Grünen forderten Scheeres auf, es nicht bei diesem »ersten Schritt« zu belassen.

Positiv hingegen äußerten sich die Kindergärten NordOst, ein Eigenbetrieb. Kaufmännischer Geschäftsleiter Robert Ehrenpfordt sagte: »Wir sehen hier die Chance, Sozialassistenten, die bisher als Zeitarbeitskräfte bei uns tätig waren, nun nach Tarifrecht einstellen zu können.« Auch der Dachverband der Kinder- und Schülerläden sagte, die Neuregelung garantiere den Kinderläden eine größere »Flexibilität« und ermögliche eine Bleibeperspektive für Menschen mit vielfältigen Lebensläufen.

Die GEW sieht vor allem finanzielle Gründe für das Lob: Die Kitas erhielten dieselben Gelder wie für Erzieher, könnten Sozialassistenten jedoch deutlich schlechter bezahlen. Siebernik forderte deshalb »verbindliche Regelungen, dass das Geld auch bei den Kollegen ankommt«. Zudem sollten Quereinsteiger im ersten Jahr gar nicht und im zweiten Jahr nur zur Hälfte auf den Personalschlüssel angerechnet werden können. Der Einsatz von Sozialassistenten solle auf ein Jahr begrenzt werden, zudem sollten sie einen Vorbereitungskurs besuchen.

Katrin Molkentin, Vorsitzende des Landeselternausschusses der Berliner Kindertagesstätten, unterstützt die GEW. Sie sagt: »Der Vorschlag ist, als ob wir unseren Kindern empfehlen, in Autos ohne Türen zu fahren.« Auch Christiane Weißhoff, Personalratsvorsitzende der Kindergärten City, berichtet: »Die Kollegen sind tierisch sauer, dass die Arbeit, die sie machen, entwertet wird. Sie fühlen sich dequalifiziert.« Scheeres hatte ihren Kritikern geantwortet: »Wir sorgen dafür, dass die hohe Qualität der Kita-Betreuung langfristig erhalten bleibt.« Weißhoff will wissen: »Wer soll denn die Qualität erbringen?«

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