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Angestellte mögen keine Hierarchien

Studie von Personalberatern und Online-Jobbörse rät zu mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten

Welcher einfache Fachangestellte kennt das nicht? Man will etwas zum Erfolg des Unternehmens beitragen, zerbricht sich Tag und Nacht darüber den Kopf, schreibt ein Konzeptpapier, gibt es seinem Chef und dann das: Warten, nichts kommt zurück. Am Ende erfährt man, dass die mühsam erarbeitete Idee direkt in den Papierkorb gewandert ist.

Solche Erlebnisse sind offenbar kein Einzelfall. Fast ein Fünftel der Fachkräfte hat das Gefühl, dass ihre Ideen im Unternehmen ausdrücklich nicht erwünscht sind. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die die Online-Jobbörse Stepstone zusammen mit der Personalberatungsfirma Kienbaum erstellt hat und für die mehr als 14 000 Fach- und Führungskräfte befragt wurden. Demnach arbeiten zwei Drittel der Befragten in Unternehmen, die hierarchisch oder stark hierarchisch organisiert sind. Dabei gilt: je größer das Unternehmen, desto größer auch die Hierarchien.

Nur ein Viertel der Befragten attestiert seinen Chefs eine Politik der offenen Türen. Übrigens gilt dies nicht nur für große Konzerne, sondern auch in Werbeagenturen oder in der IT-Branche. Selbst dort hat der Chef nur in 40 Prozent aller Fälle ein offenes Ohr für die Belegschaft, wie die Befragung ergab.

Das hat zur Folge, dass die meisten Angestellten zwar die grobe Ausrichtung der Unternehmensziele kennen. Wenn es allerdings um konkrete Strategien zur Erreichung dieser Ziele geht, sehen Fachkräfte Informationsdefizite. »Nur vier von zehn Befragten meinen, von Führungskräften einen ausreichenden Einblick in die Gesamtstrategie des Unternehmens zu bekommen«, heißt es in der Studie.

Nach Ansicht der Befragten fördert dies die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens nicht gerade. Mehr als die Hälfte der befragten Angestellten gab an, dass die aktuelle Organisationsstruktur ihres Unternehmens für die Zukunft nicht gut geeignet sei. Sie wünschen sich zumeist flachere Hierarchien. Knapp 60 Prozent sind der Ansicht, dass veränderte Unternehmensstrukturen auch mehr Innovationen ermöglichen würden.

»Gerade große Unternehmen benötigen zwar Strukturen, um Arbeit und Kommunikation zu ordnen, Hierarchien sollten aber nicht lähmend wirken«, gibt der Geschäftsführer der Kienbaum-Berater den Angestellten recht. Der pyramidenförmige Aufbau von Unternehmen sei für schnelle Reaktionen ungeeignet.

Neben der direkten Verwertbarkeit dürften Vorgesetzte vielleicht noch einen weiteren Grund haben, künftig stärker auf ihre Angestellten zu hören: Der Arbeitsmarkt ist in manch einer Branche leer gefegt, gute Fachkräfte sind teuer und rar. Da lässt sich nicht mehr alles mit einem guten Gehalt regeln, die Angestellten müssen auch anderweitig gehalten werden. 45 Prozent der Befragten gaben jedoch an, in ihrer Berufslaufbahn schon mal den Job wegen einer schlechten Organisationsstruktur gewechselt zu haben. Kommentar Seite 2

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