Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Neonazis attackieren Jugendliche in Halle

Rechtsradikale gehen nach abgesagten Aufmarsch mit Pfefferspray und Metallstangen auf eine Gruppe los

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Freude in Halle (Sachsen-Anhalt) war am Montagnachmittag zunächst riesig: Immerhin hatte das Bündnis »Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage« gerade gemeinsam mit etwa 4000 Menschen dafür gesorgt, dass ein geplanter Aufmarsch von 500 Neonazis aufgrund mehrerer Blockaden verhindert werden konnte.

Doch während die Zivilgesellschaft ihren Erfolg feierte, hatten etliche Teilnehmer des von der rechtsradikalen Kleinstpartei »Die Rechte« organisierten Aufmarsches nach Wegen gesucht, ihren Frust über die erlittene Niederlage abzubauen. Ihre Reaktion? Gewalt gegen Andersdenkende.

Wie der Anti-Rechts-Blog »Störungsmelder« berichtet, waren die Proteste im Grunde schon gelaufen, als mehrere Nazis auf dem Heimweg eine Gruppe Jugendlicher überfielen. Wie der Blog berichtet, hielten zwei Fahrzeuge direkt neben einem Infostand der Inititaive »Bündnis gegen Rechts«, woraufhin die Insassen unmittelbar damit begangen, eine Gruppe Jugendlicher anzubrüllen und zu beleidigen.

Wie Autor Thomas Schade als Augenzeuge des Geschehens erklärt, sollen die Rechtsradikalen zunächst einen Sprengkörper geworfen haben. Flaschen und anderen Gegenstände flogen aus den Autos auf die Jugendlichen, die laut Schilderungen des »Störungsmelder« nichts mit den Anti-Nazi-Protesten zu tun hatten und wohl nur zufällig Opfer des Übergriffs wurden. Aus einem der Fahrzeuge wurde zudem Reizgas versprüht, wie auch eine Reihe von Fotos belegt, die den Vorfall dokumentieren.

Zu sehen ist auch, wie mindestens ein Neonazi schreiend mit einer Metallstange bewaffnet aus dem Auto springt und direkt auf die Jugendlichen zurennt. Es heißt, mehrere Angreifer hätten anschließend gezielt mit Stangen und Teleskopschlagstöcken auf die Köpfe der Jugendlichen eingeschlagen. Als eine Gruppe Gegendemonstranten den Jugendlichen zur Hilfe eilte, flüchteten die Neonazis mit ihren Autos.

Gegenüber »nd« bestätigte eine Sprecherin der Polizei in Halle, dass es auf dem Holzplatz zu einem Zwischenfall mit zwei Verletzten gekommen war und die mutmaßlichen Angreifer unter anderem Pfefferspray einsetzten. Auch die Fotos seien den Ermittlern bekannt, der genaue Tathergang müsse allerdings noch geprüft und Zeugen befragt werden. Ermittelt werde aufgrund von »schweren Landfriedensbruch«, nicht aber wegen versuchten Totschlags, wie es in den sozialen Netzwerken zunächst hieß. Auch gehe die Polizei von »vermutlich rechten Tätern« aus. Das geht auch klar aus dem vorliegenden Bildmaterial hervor. So trug einer der Angreifer einen Pullover mit der Aufschrift »Aryans« (dt.: »Arier«).

Der Grünen-Politiker Sebastian Striegel äußerte sich schockiert über die Ereignisse. Er hoffe, dass »die Täter identifiziert u verurteilt werden können«, schrieb der Landtagsabgeordnete via Twitter. Seine Parteikollegin Steffi Lemke forderte Innenminister Thomas de Maiziere auf, sich zu den rechten Angriffen zu äußern, »wenn er nicht mehr mit #Burka beschäftigt ist«.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln