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Bewegung statt Ibuprofen für den Rücken

Bei den meisten Patienten helfen Schmerzmittel nur kurzfristig - sie sorgen aber für erhebliche Nebenwirkungen

  • Von Eric Breitinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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18 Millionen Menschen in Deutschland leiden so stark an Rückenschmerzen, dass sie deswegen einmal im Jahr oder öfter zum Arzt gehen. Viele Rückengeplagte nehmen teils rezeptfreie Schmerzmittel wie Voltaren, Aspirin oder Ibuprofen. Ärzte und Pharmakologen aus Aus-tralien weisen im Fachmagazin »Annals of the Rheumatic Diseases« nun darauf hin, dass die Einnahme vieler Schmerzmittel den meisten auf Dauer keine Linderung verschafft.

Die australischen Forscher werteten 35 Studien mit über 6000 Teilnehmern aus, die Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer im Schnitt sieben Tage lang einnahmen. Zu diesen gehören Präparate mit deutschen Handelsnamen wie Nurofen, Ibuflam oder Dolormin. In ihnen steckt Ibuprofen, der laut der Markforschungsfirma IMS-Health meistverkaufte Schmerzmittel-Wirkstoff Deutschlands.

Die australischen Wissenschaftler fanden heraus, dass jene Schmerzmittel die Beschwerden von durchschnittlich nur einem von sechs Patienten tatsächlich lindern. Beim Gros der Patienten beeinflussen die Mittel Verlauf und Intensität der Schmerzen nicht besser als Scheinmedikamente (Placebo). Schmerzexperte Marcus Schiltenwolf, Professor an der Universität Heidelberg, sagt, dass die Tablette nur kurzfristig helfe, sich der Körper aber schnell an die Mittel gewöhne und die Wirkung abflaue. In der Regel sollte man Schmerzmittel nicht länger als vier Tage nehmen.

Entzündungshemmer können jedoch zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Laut der Studie hatten jene Patienten, die die Mittel einnahmen, zweieinhalb Mal häufiger Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Blutungen als solche, die Scheinmedikamente bekamen. Laut den Forschern treten bei ihnen auch mehr Leber- und Nierenschäden auf. Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber des Schweizer Fachmagazins »Pharmakritik« betont, dass nichtsteroidale Entzündungshemmer den Blutdruck erhöhen und weitere Herz-Kreislauf-Komplikationen verursachen. Dänische Forscher warnten kürzlich im Fachmagazin »European Heart Journal« zudem davor, dass die Einnahme des Voltaren-Wirkstoffs Diclofenac das Risiko für einen Herzstillstand im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln um 50 Prozent erhöhe. Bei Ibuprofen liege das Risiko 31 Prozent höher. Die australischen Forscher fanden vor zwei Jahren zudem heraus, dass Paracetamol und ähnliche Präparate bei Rückenschmerzen ebenfalls wenig wirken, aber die Leber beeinträchtigen können.

Voltaren- und Ibuprofen-Hersteller Novartis sagt, die australische Studie erlaube keine Aussagen zum Langzeiteffekt. Voltaren führe zu einer »deutlichen Besserung der Beschwerden«, müsse aber unter ärztlicher Beobachtung eingesetzt werden. Pharmakritiker Etzel Gysling fordert, »Nebenwirkungen von Schmerzmitteln mehr Aufmerksamkeit zu schenken«. Vor allem gebe es medikamentöse Maßnahmen, deren Nutzen »gut nachgewiesen« sei. Auch belegt eine britische Studie den Nutzen von Verhaltenstherapie. Beim Test erklärten Ärzte den rückenschmerzgeplagten Studienteilnehmern, welche körperlichen Aktivitäten ihnen helfen würden. Danach nahmen sie regelmäßig an therapeutischen Gruppentreffen teil. Folge: Nach zwölf Monaten berichteten sie etwa doppelt so oft von einer Besserung der Symptome wie Testpersonen, die nicht am Training teilgenommen hatten. Experten betonen, dass bei unspezifischen Rückenschmerzen vor allem eines helfe: viel Bewegung. Nützlich seien vor allem Übungen, welche die Muskeln sanft dehnen oder die Koordination stärken.

Jeder sollte den Sport treiben, der ihm oder ihr Spaß macht - sei es Schwimmen, Walken oder Radfahren. Die US-Ärztegesellschaft empfiehlt in ihren neuen Behandlungsleitlinien, Rückenschmerzen primär mit Yoga, Wärmewickeln und Meditation zu behandeln statt mit Schmerzmitteln.

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