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»Auf die Presse!« - Künstler protestieren für Journalisten

Mit einem Konzert und einer Kundgebung erinnern Menschenrechtler an Inhaftierte insbesondere in der Türkei

Berlin. Deniz Yücel, Murat Sabuncu, Ahmet Sik - das sind nur einige der Journalisten, die derzeit in türkischen Gefängnissen in Untersuchungshaft sitzen. Gemeinsam erinnerten zahlreiche Künstler am Mittwochabend mit einem Konzert vor dem Brandenburger Tor in Berlin an die inhaftierten Journalisten. »Sie haben nur ihren Job gemacht«, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), zum Internationalen Tag der Pressefreiheit.

Zu Konzertbeginn am frühen Abend waren nach Polizeiangaben rund 800 Zuschauer da, es strömten aber noch mehr Interessierte vor die Bühne. Bei dem Konzert waren Auftritte deutscher und türkischer Künstler geplant, darunter die Antilopen Gang, Jilet Ayse, Jasmin Tabatabai und Peter Licht.

»Gemeinsam wollen wir ein lautes Zeichen geben, das bis nach Istanbul, möglichst bis nach Peking geht«, sagte Doris Akrap, »taz«-Redakteurin und Mitinitiatorin des Freundeskreis #FreeDeniz. Der Publizist Michel Friedman rief: »Wir sind bei euch. Deswegen sind wir heute zusammengekommen.« An die Adresse des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sagte Friedman: »Lassen Sie die Menschen frei, deren einziges Verbrechen es ist, eine andere Meinung zu haben.« Per Videobotschaft äußerte sich auch der Rockmusiker Udo Lindenberg: »Eine freie Gesellschaft braucht kritischen Journalismus.« Erdogan trete »die Menschenrechte gerade mit Füßen«.

Laut ROG sitzen derzeit 49 Journalisten in türkischen Gefängnissen. Die Journalisten-Plattform P24 zählt auf ihrer Internetseite weit über 100. »In keinem Land der Welt sitzen derzeit mehr Journalisten im Gefängnis als in der Türkei«, sagte der Generalsekretär von Amnesty International, Markus N. Beeko.

Aber nicht nur an sie wurde zum Internationalen Tag der Pressefreiheit vor dem Brandenburger Tor erinnert. Gemeinsam mit ROG, Amnesty International und dem KulturForum TürkeiDeutschland wollte die Initiative »#FreeDeniz« mit dem Konzert an Willkür- und Gewaltmaßnahmen gegenüber Journalisten weltweit sowie deren Inhaftierung aufmerksam machen.

Mit Trillerpfeifen und Rasseln hatten bereits am Mittag rund 50 Menschen vor der türkischen Botschaft in Berlin für die Freilassung inhaftierter Journalisten demonstriert. Auf Plakaten wurden Fotos inhaftierter Journalisten wie dem »Welt«-Korrespondenten Deniz Yücel und dem Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung »Cumhuriyet«, Murat Sabuncu, gezeigt.

Auch zahlreiche deutsche Tageszeitungen erinnerten mit einem gemeinsamen Titelmotiv von Yoko Ono an die Pressefreiheit. Die Aufschrift »Free you, free me, free us, free them« der Kunstaktivistin zierte auch zentrale Plätze und Bildschirme in U-Bahnen in Berlin.

Die Aktion wurde vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gestartet. »Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur im Grundgesetz verankert ist, sondern täglich gelebt wird«, sagte Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. dpa/nd

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