Das Ende kam zu spät

Für Hunderttausende von KZ-Häftlingen bedeuteten die letzten Monate bis zur Befreiung den Höhepunkt ihres Martyriums

  • Von Ingrid Heinisch
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Als ich von einem amerikanischen Offizier erfuhr, dass der Krieg vorbei war und die Deutschen besiegt waren, setzte ich mich hin und begann zu weinen. ›Warum freuen Sie sich nicht?‹ fragte er, ›der Krieg ist aus und Sie sind endlich frei‹. ›Warum sollte ich mich freuen?‹, antwortete ich ihm. ›Der Krieg ist aus, aber meine ganze Familie ist tot und die meisten meiner Freunde.‹« Das hat mir Alter Fajnsilber erzählt, ein jüdischer Kommunist, der gegen Hitlerdeutschland schon 1938 mit den Internationalen Brigaden in Spanien in den Krieg gezogen und später in Auschwitz gelandet war.

Das Ende kam zu spät. So viele Häftlinge in den Tausenden von Konzentrations- und Arbeitslagern, die die Deutschen geschaffen hatten, haben es nicht mehr erlebt. Und die es tatsächlich geschafft hatten und am 8. Mai begriffen: »Es ist vorbei, Nazideutschland ist besiegt, wir sind frei, ich bin frei!«, die waren zu müde und erschöpft, um sich noch zu freuen....


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