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Wie heikel ist eigentlich das Kleingedruckte?

Fragen & Antworten zum Bezahlen an der Kasse

Plakate mit Sonderangeboten, Preisschilder, bunte Packungen, Zutatenlisten: Einkaufen im Supermarkt bedeutet für die Kunden auch, viel zu lesen. Aber ausgerechnet an der Kasse, wenn es ums Zahlen mit der EC-Karte geht, schauen aber wohl die meisten gar nicht richtig hin - und unterschreiben kurzerhand auf dem Bon.

Doch in was genau willigt man da eigentlich alles ein? Verbraucherschützer mahnen den Handel, Kunden im Kleingedruckten nichts unterzujubeln. Denn am praktischen Zahlverfahren per Signatur will keiner rütteln.

Was steht auf den Kassenbons?

Auf dem Ausdruck können Kunden noch mal prüfen, was der Milchreis, das Schweinefilet und das Spülmittel gekostet haben - auch mit extra ausgewiesener Mehrwertsteuer. Die Unterschrift fürs Kartenzahlen kommt unter einen Text, der auch auf der Bon-Rückseite stehen kann. Mal sind es nur wenige Zeilen, mal samt Datenschutzhinweisen auch gut 15 Zentimeter Kleingedrucktes. Damit erlaubt der Kunde dem Händler, den Betrag vom Konto einzuziehen. Ist die Buchung nicht einlösbar, darf seine Bank seinen Namen und Adresse weitergeben. Über solche Fälle können dann auch bestimmte andere Händler informiert werden.

Wo ist das Problem?

An der Kasse muss es fix gehen. »Hand aufs Herz: Wer würde das Kleingedruckte hinten auf einem Bon lesen - zumal in der hektischen Situation des Bezahlvorgangs?«, fragt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Etwas Bequemlichkeit komme vielleicht dazu, schnell zu unterschreiben. Dabei sei es auch kein großes Verbraucherproblem, sondern angemessen und einfach, auf diese Weise in Zahlungen einzuwilligen. »Aber man sollte wachsam sein«, warnt Müller.

Schwierig wäre es, wenn weitere Daten abgefragt würden. Und generell wollten Anbieter ja mehr zum Kaufverhalten wissen. »Wenn Sie nicht offen und ehrlich danach fragen, sondern das in so eine Unterschriftserklärung hineinschummeln - das wäre nicht zulässig.«

Welche Rolle spielt das Zahlen mit Unterschrift?

Im gesamten Einzelhandel wird gut die Hälfte der Einkäufe immer noch bar bezahlt. Lastschriften mit EC-Karte plus Unterschrift kamen nach Marktforschungsdaten zuletzt auf einen Anteil von gut 14 Prozent.

Das Verfahren sei ein über viele Jahre gelebtes Zahlsystem und den Kunden hinlänglich bekannt, heißt es etwa bei Rewe. Am Bon-Text seien »fast alle Kunden« nicht interessiert. Teils steht er auch nur auf einem zweiten Exemplar, das die Kassiererin behält. Auf Wunsch könne aber jeder Kunde einen Ausdruck bekommen, sagt ein Rewe-Sprecher. In den Supermärkten gebe es außerdem Aushänge mit Informationen dazu.

Was sind Vorteile des Zahlens mit Unterschrift?

Viele Läden setzen auf eine Kombination mit dem sichereren System von EC-Karte plus Geheimzahl, das auf einen Anteil von 23 Prozent kommt. Hier garantiert die Bank direkt für die Zahlung, kassiert vom Händler aber bis zu 0,2 Prozent des Bonbetrags als Gebühr - die nämlich entfällt bei der Unterschriftvariante.

Die Wahl zwischen den beiden Methoden sichere einen günstigen Zahlungsweg, argumentiert der Handelsverband. Um Ausfallrisiken zu begrenzen, können Kassen in Abständen immer die Geheimzahl verlangen. Oder pro EC-Karte geht es nur einmal am Tag mit Unterschrift. Generell seien Lastschriften auch für Kunden sinnvoll, sagt vzbv-Chef Klaus Müller, denn sie sind leicht wieder rückgängig zu machen. dpa/nd

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