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Eiskaltgestellt im Wollepark

Niedersachsen: Delmenhorster Häuser ohne Heizung, weil Vermieter Gelder nicht überweisen

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Von nächtlichen null Grad Celsius wird das Thermometer im niedersächsischen Delmenhorst am Dienstag auf gerade mal zwölf Grad klettern, verheißt der Wetterbericht. Heizen ist angesagt. Doch rund 350 Menschen im Problemviertel Wollepark, darunter 80 Kinder, können sich nur mit dicken Pullovern und Decken gegen die Kälte wappnen. Die Heizkörper in zwei Wohnblöcken bleiben kalt, die Stadtwerke haben das Gas abgedreht, weil die Hauseigentümer das von den Mietern erhaltene Energiekostengeld nicht an den Versorgungsbetrieb überwiesen haben.

Kein Gas, das heißt auch: Kein warmes Wasser zum Duschen, Zähneputzen und Händewaschen. Und auch kaltes Wasser wird es vielleicht bald nicht mehr geben. Denn vor wenigen Tagen befand das Landgericht: Wegen der offenen Rechnungen über rund 130 000 Euro dürfen die Stadtwerke ab sofort auch das Wasser sperren. Ob und wann das geschieht, lasse sich noch nicht sagen, sagte Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler gegenüber »nd«. Das Unternehmen wolle sich zunächst mit der Stadt abstimmen.

Stimmt die Stadt dem Wasserstopp zu, sitzen die Menschen im Wollepark nicht zum ersten Mal auf dem Trockenen. Schon Anfang April hatten die Stadtwerke die Ventile zugedreht, mussten sie aber schon am nächsten Tag auf Gerichtsgeheiß wieder öffnen, weil eine förmliche Frist versäumt worden war.

Das Diakonische Werk, das sich um die Betroffenen kümmert, blickt mit Sorge auf die Folgen einer Wassersperre. Die Hygiene werde vermutlich das größte Problem sein, meint Diakonie-Geschäftsführer Franz-Josef Franke. Zwar könne Wasser aus Notzapfstellen herangeschafft werden, doch vor allem Bewohnern der oberen Stockwerke werde es schwer fallen, die Eimer hoch zu schleppen.

Das steht den Menschen im Wollepark womöglich aber nun bevor. Es sei denn, die Stadt lässt das Wasser weiter fließen - aus sozialen Motiven oder aber, weil die offenen Rechnungen doch noch beglichen werden. Signale in dieser Richtung hatten sich viele von einer neuen Hausverwaltung erhofft, die am Wochenende bestimmt werden sollte. Das aber scheiterte, weil Vertreter der amtierenden Verwaltung dem Treffen fernblieben und von den rund 40 Wohnblock-Eigentümern nur sieben erschienen.

Mittlerweile sind mehrere Bewohner, zumeist Menschen aus Osteuropa, der Empfehlung des Diakonischen Werkes gefolgt und haben die Miete gemindert. Nicht nur wegen der fehlenden Gasversorgung und der drohenden Sperrung des Wassers, sondern auch aufgrund weiterer Missstände in den Gebäuden. Seit Jahren, so erklärt Diakoniechef Franke, seien dringend notwendige Renovierungsarbeiten nicht geleistet worden. Zum Beispiel funktioniere der Fahrstuhl nicht, die Bewohner hätten mit Schimmel in den Wohnungen zu kämpfen, beide Blöcke seien »total heruntergekommen«.

Sofern jetzt Mietminderungen vorgenommen wurden, haben die Eigentümer scharf reagiert: mit fristlosen Kündigungen. Diese sollen angefochten werden, die Diakonie will dabei Unterstützung leisten, war zu erfahren. Auch bemüht sich das kirchliche Hilfswerk um neue Wohnungen für die Wollepark-Mieter.

Sollten die Blöcke infolge von Gas- und Wassersperre als unbewohnbar angesehen werden, dürfte sich die Stadt genötigt sehen, Notunterkünfte zu schaffen. Kosten dafür könnte die Kommune womöglich denen in Rechnung stellen, die das Debakel verschuldet haben: Eigentümern, die das ihnen anvertraute Geld nicht weitergeleitet haben.

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