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Leitkultur beschleunigen!

Andreas Koristka erwartet, dass der Bundesinnenminister seinen Zehn-Punkte-Plan endlich mit Leben erfüllt

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

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Thomas de Maizière hat viel Kritik für seinen Leitkulturvorstoß einstecken müssen - auch in dieser Zeitung. Allerdings gilt es anzuerkennen, dass es laut einer Meinungsumfrage, auf die sich die CSU auf ihrer Facebook-Seite beruft, eine »Mehrheit für Leitkultur« in Deutschland gibt. 52 Prozent sind wohl dafür. Man muss Thomas de Maizière und der Union mit einem beherzten deutschen Handschlag gratulieren, denn sie scheinen einen Nerv im Land getroffen zu haben.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass CDU und CSU schon seit 2005 Regierungsparteien sind! Darum bleibt die Frage offen, warum sie das drängende Leitkulturproblem nicht schon viel eher angegangen sind. Es ist schließlich ein offenes Geheimnis, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, für die es keine Selbstverständlichkeit ist, ihren Namen zu sagen, wie es der Innenminister fordert (»Wir sagen unseren Namen«). Dabei sollte gerade das im Jahre 2017 jedem locker über die Lippen kommen, egal ob man Max Mustermann, Mohammed Atta oder Ulrich Fick heißt.

Wer diese grundlegende Verhaltensregel nicht akzeptiert, ist eben nicht Kulturnation, sondern ein Leistungsverweigerer und Terrorist; jemand der kein »ge­mein­sa­mes kol­lek­ti­ves Ge­dächt­nis für Orte und Er­in­ne­run­gen« besitzt, wie es der Minister fordert. Im schlimmsten Fall ist er Burka oder hat eine Schwäche für den Gebrauch von Artikeln. Es ist ein Rätsel, warum Thomas de Maizière diese Subjekte nicht längst leitkulturalisiert hat.

Subjekte wie Familie Demirel, die unter mir wohnt. Ich bin sicher, dass kein Mitglied dieser Familie jemals darüber nachgedacht hat, ob sie Bildung als Wert oder allein als Instrument sehen. Dabei wäre es wichtig, dass sich die Demirels in dieser Hinsicht klar positionieren, denn wie stellte de Maizière so treffend in seinem Leitkulturkatalog fest: »Wir sehen Bil­dung und Er­zie­hung als Wert und nicht al­lein als In­stru­ment.« Deshalb haben sich die christlichen Parteien in den letzten Jahren auch für das Langzeitstudium stark gemacht. Doch was für uns Deutsche so selbstverständlich ist - zum Beispiel, dass zum Schweinsbraten Sauerkraut gehört oder Kindesmissbrauch zur katholischen Kirche -, ist für viele Migrationshintergründler ungewohnt und fremd. Und viele weigern sich regelrecht, sich mit den Sitten und Gebräuchen ihres Gastlandes vertraut zu machen.

Wenn Thomas de Maizière das ändern möchte, dann muss er jetzt langsam tätig werden. Es ist zwar immer leicht, nach Patentrezepten zu rufen, aber bezüglich der Leitkultur wäre ein solcher Ruf durchaus angebracht, wenn er ab 22 Uhr nur noch in Zimmerlautstärke durchs Land hallen würde. Denn unser Deutschland driftet ab! Viele der nichtleitkulturalisierten Neuankömmlinge in der BRD haben nicht so ein »besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels« wie du und ich und der Innenminister. Sie waren es wahrscheinlich, die die Antisemiten der AfD in Baden-Württemberg ins Landesparlament gewählt haben oder in der Vergangenheit jüdische Friedhöfe mit Nazisymbolen schändeten.

Und noch etwas sei den Integrationsverweigerern aufs Dönerbrot gelegt: Wir hier in Leitkultursachstan haben »in un­se­rem Land eine Zi­vil­kul­tur bei der Re­ge­lung von Kon­flik­ten«! Wir sind schließlich nicht in Aleppo und deshalb darf es nicht sein, dass sich muslimische Anhänger von Eintracht Frankfurt und Hertha BSC mitten in der deutschen Hauptstadt Straßenschlachten liefern wie unlängst geschehen.

Wenn de Maizière wirklich ernst genommen werden möchte, dann sollte er jetzt bezüglich der Leitkultur endlich Taten folgen lassen. Wenn nicht spätestens in 100 Tagen mindestens acht von zehn Punkten auf dem Leitkulturometer gemessen werden können, dann sollte der Innenminister zurücktreten. Das wäre er unserer Tradition, unserem Heimatland und den darin befindlichen Leitkulturfans schuldig.

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