Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Keine Kohle für Kohle

Westpac Bank versetzt indischer Kohlemine im Outback schweren Dämpfer

Matthew Canavan schäumt vor Wut. Der australische Minister für Bodenschätze wirft klimabewussten Unternehmen »eine Kulturfeigheit« vor, wenn sie die wissenschaftlichen Fakten des Klimawandels ernst nehmen und daraus unternehmenspolitische Konsequenzen ziehen.

Aktuell gilt der Zorn Canavans besonders der Westpac Bank. Das 200 Jahre alte Institut hatte durch neue Unternehmensrichtlinien dem Megakohlebergbauprojekt »Carmichael« des indischen Milliardärs Gautamo Adani im Galilee-Becken in Nordqueensland einen empfindlichen Schlag versetzt.

Im Galilee-Becken werden 4,4 Milliarden Tonnen Kohle vermutet. Adani will in offenen Tagebauminen und in fünf Untertagebergwerken 60 Jahre lang insgesamt 2,3 Milliarden Tonnen Steinkohle abbauen und über riesige Kohlehäfen an der Küste von Queensland nach Indien transportieren. Die Route der Kohlefrachter führt direkt durch das vom Klimawandel bereits schwer angeschlagene Great Barrier Reef. Experten schätzen, dass alleine durch die Verheizung der »Carmichael«-Kohle in Indien jährlich zusätzliche 79 Millionen Tonnen des Klimakillers CO2 ausgestoßen werden. Das entspricht der jährlichen CO2-Emission von Österreich.

Die australische Regierung fördert das Adani-Projekt bedingungslos. Obwohl Klimawissenschaftler, Umweltschützer, Ureinwohner und die Bewohner der durch den steigenden Meeresspiegel langsam versinkenden südpazifischen Inseln dagegen Sturm laufen. Kritik kommt zudem von Ökonomen. Deren Argument: Förderung und Transport nach Indien machten die Kohle so teuer, dass sie mit den Strompreisen existierender Kraftwerke und der in Indien wachsenden Stromversorgung durch erneuerbare Energien nicht konkurrieren könne.

Auch in der Finanzwelt regt sich Widerstand gegen die Kohle. Deshalb wird Westpac nach seinem am 28. April veröffentlichten »Klimaaktionsplan« Kredite für Kohleförderung nur noch für »Projekte in bereits existierenden, kohleproduzierenden Becken« vergeben und das auch nur, wenn die Kohle den besonders hohen Heizwert von mindestens 6300 Kilokalorien pro Kilo aufweist. Beides trifft auf die Kohle aus den Adani-Minen nicht zu.

»Westpac hat erkannt, dass der Klimawandel sowohl ein Wirtschafts- als auch ein Umweltthema ist«, sagt Brian Hartzer. Der Chef von Westpac, der zweitgrößten australischen Bank, fügt entschieden hinzu: »Banken spielen beim Übergang der aus- tralischen Wirtschaft zu einer Null-Emissions-Wirtschaft eine wichtige Rolle.« Deshalb werde sein Finanzinstitut das Kreditvolumen für »Klimawandellösungen« von derzeit umgerechnet 4,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 schrittweise auf umgerechnet 20 Milliarden Euro ausweiten. Umwelt- und Klimaschützer, die eine gut organisierte und finanzierte Kampagne gegen Adani führen, feiern Westpacs rote Karte für Adani als ihren Erfolg.

Minister Canavan und seine Freunde in Politik und Medien polemisieren derweil auf unterstem Niveau gegen die Klimaschützer: Chris Trevor, stellvertretender Bürgermeister von Gladstone in Nordqueensland, findet, »die Latte-Trinker in Sydney und Melbourne sollen unter Palmen sitzen und Körbe weben«, statt gegen Kohlekraftwerke zu protestieren. Das Wochenendmagazin »Bulletin« in Townsville rät auf seiner aktuellen Titelseite mit fetten weißen Lettern auf schwarzem Grund »extremen grünen« Adani-Gegnern: »Haut ab!«

Canavan, immerhin Mitglied einer national-konservativen Regierung, ruft seine Landsleute gar zum Boykott von Westpac auf: »Unterstützt Banken, die für die 16 000 Jobs sind, die durch die Erschließung des Galilee-Beckens entstehen können!« Viele sind das allerdings nicht mehr. Außer Westpac haben auch andere aus- tralische Banken Kredite für Adanis »Carmichael«-Pläne inzwischen ausgeschlossen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln