Werbung

Dann eben nächstes Jahr

Mit dem 1:3 in Braunschweig ist der Aufstiegstraum geplatzt, der 1. FC Union will kommende Saison neu angreifen

  • Von Alexander Ludewig, Braunschweig
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Jens Keller konnte die Stimmung für die Rückreise nach Berlin nicht verbessern. Still und erschüttert verließ die Mannschaft des 1. FC Union am späten Montagabend Braunschweig. Und auch am Dienstag war die Ernüchterung noch groß. »Man kann jeden von uns als arme Sau betrachten«, eröffnete Stürmer Philipp Hosiner nach der Trainingseinheit einen Blick in die Seele der Köpenicker. Ihr großes Ziel hatten die zerstört.

Nach dem 1:3 bei der Eintracht ist der Aufstieg in die 1. Bundesliga nur noch rechnerisch möglich. Und selbst das ist eine Aufgabe nur für kühnste Optimisten: Die Berliner haben zwei Spieltage vor Schluss als Vierter sechs Punkte Rückstand auf den Tabellendritten Hannover 96 und den Zweiten aus Braunschweig sowie eine um sechs und sieben Treffer schlechtere Tordifferenz.

Jens Keller ist sich sicher, dass aus dem geplatzten Traum kein Trauma wird. Auch wenn er seine Spieler damit noch nicht erreichen konnte, aber der Berliner Trainer suchte schon in Braunschweig nach einem optimistischen Weg aus der Enttäuschung.

»Wir haben eine sensationelle Saison gespielt«, trotzte Keller dem sich breit machenden Pessimismus nach der Niederlage. »Keiner hat damit gerechnet, dass wir bis zum Ende oben mit dabei sind.« Die Zahlen geben ihm recht. Der 1. FC Union hat schon jetzt das beste Ergebnis in seiner insgesamt elfjährigen Zweitligazugehörigkeit erzielt. Platz vier ist den Köpenickern nicht mehr zu nehmen. Bisher war Rang sechs aus der Saison 2001/02 die beste Platzierung. Auch die bislang erspielten 17 Siege und 57 Punkte wurden noch nie erreicht.

Jens Keller ging aber noch weiter. Seine Spieler flüchteten sich in Zweckoptimismus. Wie beispielsweise Maximilian Thiel, der den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 1:2 erzielt hatte. »Wir wissen, im Fußball gibt es ganz verrückte Geschichten«, spekuliert der Offensivspieler noch auf Ausrutscher der Konkurrenz. Keller machte hingegen eine realistische Kampfansage: »In der nächsten Saison zählen wir zum Favoritenkreis - und genau da wollen wir auch hin.«

Der Wille zu wachsen ist in Köpenick groß. Nach dem letzten Spieltag will der 1. FC Union seine Stadionpläne veröffentlichen. Ein Ausbau der Alten Försterei auf 35 000 Zuschauerplätze ist im Gespräch. Für die großen sportlichen Ziele wurde vor dieser Saison Jens Keller verpflichtet. Wenn das Gerüst der Mannschaft zusammenbleibt und passende Neuverpflichtungen gefunden werden können, stehen die Chancen für eine Weiterentwicklung der Berliner nicht schlecht. Ein großes Fragezeichen steht aber noch hinter Abwehrchef Toni Leistner, der mit seinen überzeugenden Auftritten das Interesse mehrerer Erstligisten geweckt hat.

Hinzu kommt, dass es in der kommenden Zweitligasaison wohl nicht gleich wieder zwei Klubs geben wird, die wie Hannover 96 und der VfB Stuttgart dort nichts zu suchen haben und fast zwangsläufig aufsteigen. Die wahrscheinlichen Erstligaabsteiger Darmstadt 98 und Ingolstadt ordnen sich strukturell und finanziell eher ins Zweitligagefüge ein, als dass sie es sprengen.

Dass es trotz zweier gefühlter Erstligisten möglich ist, den direkten Aufstieg zu schaffen, könnte Braunschweig beweisen. Die Eintracht zählte vor der Saison zwar zum erweiterten Favoritenkreis. Im Gegensatz zu Hannover und Stuttgart, für die das Erreichen der ersten Liga Pflicht ist, ist es in Braunschweig ein Traum.

Am Montagabend hatte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht »eine Mannschaft erlebt, die bereit ist, diesen Traum zu leben.« Den entscheidenden Unterschied zum Team des 1. FC Union machen aber nicht Wille und Leidenschaft aus, sondern Erfahrung. Vor vier Jahren sind die Braunschweiger schon einmal aufgestiegen. Für die Kultur im Klub spricht, dass nach dem sofortigen Wiederabstieg Trainer Lieberknecht und Manager Maximilian Arnold im Amt geblieben sind.

Für die Braunschweiger Mannschaft sprach in der Partie gegen den 1. FC Union, dass deren Spieler schon etwas mehr erlebt haben. Im Stadion herrschte Endspielatmosphäre. Mehr als 23 200 Zuschauer machten es zum Hexenkessel. Während die Berliner damit ihre Probleme hatten, teilweise nervös auftraten und viele leichte Fehler machten, zog die Eintracht daraus Energie. Und: Mit Kapitän Ken Reichel, der zwei Mal traf, und Dominick Kumbela erzielten auch zwei Spieler die drei Braunschweiger Tore, die mit dem Klub schon in der ersten Liga gespielt haben.

Insofern kann diese Niederlage, ebenso wie die gesamte Saison, für die Mannschaft des 1. FC Union und den gesamten Klub auch etwas Positives haben. Die Erfahrung entscheidender Spiele und der erlebte Aufstiegsdruck kann die Berliner eigentlich nur besser machen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!