Mit Hostels Fakten schaffen

Eigentümer droht Mietern mit Kündigung, die die Unterkunft »Fantastic Foxhole« kritisieren

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Es ist nicht so, als sei der Konflikt um die Eröffnung des Hostels »Fantastic Foxhole« in der Weserstraße bisher leise verlaufen. Farbbeutel flogen, der Betreiber sah sich von »Bürgerwehren« bedroht. Fakt ist: Viele der Anwohner leiden schon lange unter den Begleiterscheinungen des Bar- und Partytourismus in ihrem Wohnviertel. Mit dem Hostel sehen sie eine rote Linie überschritten. In den vergangenen Tagen erhielten mehrere der langjährigen Mieter des Hauses nun Post von der Hausverwaltung. In dem Schreiben, das dem »nd« vorliegt, wird »vorsorglich« eine fristlose Kündigung ausgesprochen.

Einige Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative Weserkiez fühlen sich durch diese harte Gangart bedroht. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: »Es geht hier nicht darum, Wohnraum frei zu schaffen. Die Gekündigten sind keine Gentrifizierungsopfer, es geht in erster Linie gegen eine Nachbarschaft, die sich organisiert hat.« Die Kündigungsschreiben seien ausgerechnet bei jenen Mietern eingegangen, die sich gegen das Hostel engagieren. Auch andere Aktive sind beunruhigt angesichts der Koalition zwischen Hauseigentümer Alexander Skora und Hostelbetreiber Hagen Wittborn. Ein anderes Mitglied sagt: »Das Vorgehen des Vermieters wirkt bedrohlich, selbst wenn er damit vielleicht nicht durchkommt.«

Wie konnte die Stimmung so hochkochen? Im März hatte Wittenborn das Hostel in der Weserstraße 207 eröffnet - ohne planungs- und bauordnungsrechtliche Genehmigung, dafür mit Einverständnis des Eigentümers, selbst Betreiber zweier Hostels. Im April schritt das Bezirksamt ein, verhängte eine Nutzungsuntersagung wegen »ungenehmigter Umnutzung«, es folgten Zwangsgeld und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, das noch läuft. Auch das Hostel läuft weiter. Wittborn ließ verlauten, das Handeln des Bezirks sei »weltfremd und wirtschaftsfeindlich«. Bei der Kritik an seinem Investitionsprojekt sieht er »Bürgerwehren« am Werk.

Auch der Hauseigentümer äußert seine Sorgen. Gegenüber »nd« spricht Skora von »Lynchmobstimmung« unter dem Vorwand der Gentrifizierungskritik. »Man bekommt ja dafür auch eine Bühne, vor allem durch Rot-Rot-Grün.« Auch Kündigungen habe es nicht gegeben, sondern lediglich Abmahnungen. Die Mieter hätten Gäste und Besucher »beleidigt und bedroht«. Das Schreiben entspricht juristisch tatsächlich eher einer Kündigungsandrohung. Das Interesse, die Mieter loszuwerden, scheint dagegen klar. Diese prüfen nun eine Verleumdungsklage. Sie befürchten, dass die Strategie, mit der Kündigung einfach Fakten zu schaffen, aufgeht. Auch wegen der Ruhe, die bisher in Verwaltung und Politik herrscht.

»Man hat schon den Eindruck, hier wird mit zweierlei Maß gemessen«, sagt Katharina Wolff, Sprecherin der Nachbarschaftsinitiative. »Auf der einen Seite wird massiv gegen Spätis vorgegangen, die sich nicht an Öffnungszeiten halten. Aber wenn ein Investor hier die Abwärtsspirale struktureller Verdrängung vorantreibt, passiert wenig.«

Ähnlich wie Eigentümer und Betreiber haben die Anwohnerinnen und Anwohner mit der Organisierung entlang ihrer gemeinsamen Interessen zumindest eines getan: Fakten geschaffen.

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