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Bekiffter Ermittler

Freitags Wochentipp: »Goster« in der ARD

Schwer zu sagen, bei welcher digitalen Ziffer unserer Gegenwartszukunft wir grad sind - 4.0? 15.6? 172.X? Der Wert ändert sich ja fast wöchentlich. Die ARD indes hat sich zur Interaktivität 3.0 entschieden: Unter lindenstrasse.de können Fans im Rahmen der Themenwoche »Woran glaubst du?« abstimmen, ob sich die Serientochter von Momo und Iffi konfirmieren lässt.

Wenn das älteste Serienformat des deutschen Fernsehens diskutiert wird, heißt das: Nicht allzu viel los. Was man ruhig als gute Nachricht auffassen darf. Ebenso wie die Nachricht, dass Pro Sieben, genauer: dessen Videoportal Maxdome, die zweite Staffel von »Jerks« in Auftrag gegeben hat. Trotz besserer Kritiken als Abrufzahlen und Einschaltquoten bei der Zweitverwertung im Regelprogramm dürfen Christian Ulmen und Fahri Yardim ab Sommer wieder die Verzögerung ihrer Adoleszenz inszenieren und damit mal peinliche, mal grandiose TV-Momente schaffen.

Ob das ZDF die Übertragungsrechte der Fußball-Champions-League behält, bleibt derweil offen. Da die Mittel begrenzt sind, scheint es angesichts des irren Bieterwahns privater Konkurrenten aber wahrscheinlich, dass die Königsklasse nur noch im Pay-TV zu sehen sein wird. Kann man beklagen, kann man bejubeln, kann man auch ignorieren und zum Tagesgeschäft übergehen, also was die öffentlich-rechtlichen Gebührengeldempfänger anders als UEFA-Fußball per Staatsvertrag zu liefern haben: anspruchsvolle, abwechslungsreiche, außergewöhnliche Fiktion.

Nicht nur zu der findet ja schon seit Jahren eine teils hitzig geführte die Debatte darüber statt, ob das Gegenteil von alledem - nämlich Talkshows und seichte Unterhaltung - nicht längst alle guten Sendeplätze blockiert. Ein Beispiel vom Dienstag allerdings zeigt, dass die Bejahung dieser Frage durchaus angebracht ist - obwohl es sich dabei um einen ARD-Krimi ohne Sexorgien oder Gewaltexzesse handelt. »Goster« heißt das gute Stück, das nach den »Tagesthemen« um 23 Uhr im Spätprogramm läuft. Die Titelrolle spielt ein Schweizer namens Bruno Cathomas, der so ziemlich die absurdeste Ausgabe eines Kommissars ist, den es im mordsüchtigen Fernsehland seit Inspektor Kottan gegeben hat.

Er spricht mit sich selbst und auch dann nur theatralisch. Er sieht aus wie ein kugeliges Kuscheltier, was die Frauen im Umfeld um den Verstand bringt. Er tanzt schon mal zwei Minuten ungeschnitten allein durch die Wohnung oder erschießt den Mond. Er hat ja auch mit einer Waffe zu tun, die ihre Opfer offenbar von selber tötet. So bekifft, so toll hat Didi Danquart Markus Buschs Buch in Szene gesetzt. Mit diversen Splitscreens, gern von der Comickünstlerin FuFu Frauenwahl gezeichnet, alles über-, unter-, ineinander verschachtelt, dass der Aufmerksamkeit Höchstleistungen abverlangt werden. Aber es lohnt sich: Krimi war nie faszinierender als hier.

ARD, 16. Mai, 23 Uhr

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