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Obdach für geflüchtete Studenten gesucht

Der evangelische Landesbischof würdigte mit Besuch in arabischsprachiger orthodoxen Gemeinde deren Engagement für Flüchtlinge

Von außen sieht das Gebäude in der Auguststraße in Mitte wie eine evangelische oder katholische Kirche aus. Innen ist es dann doch etwas anders: An den Wänden hängen Ikonen, wie in orthodoxen Gotteshäusern üblich. Die evangelische Landeskirche hat das Gebäude im neoromanischen Stil der orthodoxen Gemeinde St. Georgius zur Verfügung gestellt - für fünf Jahre, kostenlos. Die 550 Gemeindemitglieder haben die Muttersprache Arabisch. Deutlich mehr als die Hälfte sind christliche Flüchtlinge aus Syrien.

Am Sonntag besuchte der evangelische Landesbischof Markus Dröge einen Gottesdienst der Gemeinde, die in griechisch-orthodoxer Tradition steht - der libanesische Bischof der Gemeinde wurde in Griechenland ausgebildet. Dröge zeigte sich beeindruckt von der zweisprachigen Veranstaltung. »Die deutschsprachigen Gebete und Gesänge haben mir gezeigt, wie nahe wir uns im Geiste sind«, sagt er und versicherte den syrischen, palästinensischen und libanesischen Christen seine Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags. Bei verschiedenen Reisen habe er die Verfolgungssituation von Christen im Nahen Osten erlebt.

Sein orthodoxer Amtsbruder Hanna Heikal sagt: »Manchmal haben wir gefühlt, dass unsere kleine Gemeinde allein eine große Verantwortung stemmen muss.« 300 christliche Flüchtlinge haben in den vergangenen vier Jahren jeweils kurzzeitig im Kirchgebäude gewohnt, weil sie sich in Flüchtlingsheimen als Christen nicht sicher fühlten, »gemobbt und das ganze Spektrum«, sagt Heikal. Im Moment wohnen vier Geflüchtete in der Kirche, bis sie eine andere Unterkunft finden: »Wir haben kein Büro mehr, keinen Gemeindesaal.«

Eine Gruppe, der man Obdach bieten will, sind geflüchtete Studenten. Wenn es ihnen gelingt, ihr Studium fortzusetzen, bekommen sie keine Sozialleistungen mehr und werden aus dem Wohnheim verwiesen. Heikal sagt: »Sie müssen neben dem Studium ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Als Gemeinde wollen wir eine große Wohnung anmieten, wo sie kostenlos wohnen können.«

Dazu brauche er Hilfe von seiner »großen Schwester«, wie Heikal sagt, der evangelischen Kirche. Denn seine Gemeinde finanziert sich nur aus Mitgliedsbeiträgen von Menschen, die überwiegend kein festes Einkommen haben. Dröge will Hilfsangebote bis hin zu Stipendien christlicher Stiftungen prüfen. Die würden allerdings erst ab dem zweiten Semester greifen, bis dahin würden die Studenten in der Luft hängen. Die Gesetze könne er aber auch nicht ändern, sagt Dröge. »Ich kann da nur beten und mein Wort einbringen.«

Kooperieren wollen beide Kirchen auch bei der arabischsprachigen Telefonseelsorge. Auf ein großes Problem weisen viele Gemeindemitglieder hin: Sie wollen ihre Angehörigen aus Aleppo und anderen umkämpften Städten nach Deutschland holen. Eine Familienzusammenführung ist zumeist nur möglich für Ehepartner und minderjährige Kinder. Gemeindemitglieder sorgen sich um Verlobte und Enkelkinder. Dröge will einen Kontakt zur Stiftung »Flüchtlingspaten« herstellen, die in Einzelfällen solche Familienzusammenführungen finanziert.

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