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Königsklasse fast verspielt

Turbine Potsdam verliert 0:4 gegen den FC Bayern, dennoch war es eine gute Saison

  • Von Alexander Ludewig, Potsdam
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Stimmung im Karl-Liebknecht-Stadion schlug schnell um. Euphorisch hatten mehr als 3400 Zuschauer die Frauen von Turbine Potsdam empfangen und wollten sie lautstark zum Sieg gegen den FC Bayern München treiben. Die Enttäuschung kam schnell, und kurz vor dem Halbzeitpfiff machte sich Ernüchterung breit - Ruhe auf den Rängen: Die Münchnerinnen hatten ihr drittes Tor erzielt. Am Ende gewannen sie mit 4:0 (3:0) und verdrängten die Potsdamerinnen am vorletzten Spieltag dieser Bundesligasaison von Platz zwei.

Im Gegensatz zur Vorwoche, als Turbine die Meisterschaft mit einem Heimsieg gegen den Tabellenführer aus Wolfsburg zumindest noch mal spannend hätte machen können, war die Ausgangslage am Sonntag klar. Nach der Niederlage gegen den VfL trafen sich die Fußballerinnen aus Potsdam und München zum Endspiel um Rang zwei. Mit einem Punkt Vorsprung ging Turbine in das Duell um den zweiten Startplatz für die Champions League.

Nachdem der FC Bayern in den vergangenen zwei Jahren die Meisterschaft feiern konnte, lief es in dieser Saison nicht ganz nach Wunsch. Das lag auch an den Gegnerinnen vom Sonntag. Nicht nur, weil Turbine das Hinspiel im Dezember mit 2:1 gewonnen hatte. Sondern auch, weil die Potsdamerinnen nach Platz acht in der Vorsaison und dem Trainerwechsel von Turbine-Legende Bernd Schröder zu Matthias Rudolph eine überraschend starke Saison spielen - und sich in der Tabelle zwischen die Wolfsburgerinnen und die Münchnerinnen schieben konnten.

Gestartet war Turbine ohne konkretes Ziel. Als aber Sieg für Sieg erspielt und zwischenzeitlich die Tabellenführung erobert wurde, legten sich Team und Trainer fest: Platz zwei sollte es sein. Oder wie Olympiasiegerin Tabea Kemme formulierte: »Wir wollen endlich wieder ins internationale Geschäft.«

Angreiferin Kemme gab auch das stürmische Motto gegen die Münchnerinnen aus: »Alles oder Nichts! Wir wollen mit offenem Visier spielen.« Wesentlich druckvoller startete aber die Mannschaft des FC Bayern in die Partie. Schon in der ersten Minute musste Potsdams Torhüterin Lisa Schmitz nach einer Flanke von der rechten Seite den ersten gefährlichen Ball entschärfen. Eine Minute später kamen die Münchnerinnen wieder über rechts. Der erste Schuss von Melanie Behringer aus zehn Metern konnte noch geblockt werden. Im zweiten Versuch zielte Behringer genauer - und der Ball schlug im kurzen Eck zum 0:1 ein. Wiederum eine Minute später hatte Lisa Schmitz große Probleme, den Schuss der Münchnerin Vivianne Miedema zu parieren.

Die Potsdamerinnen brauchten eine Viertelstunde, um in diesem Spiel anzukommen. Die entscheidenden Zweikämpfe gewannen aber weiterhin die Münchnerinnen. In der Offensive hatte Turbine in der ersten Halbzeit keine klare Torchance. Und in der Defensive ließen die Potsdamerinnen den FC Bayern noch zwei Mal durchkommen. In der 35. Minute agierte diesmal Turbines Abwehrzentrale zu langsam, Sara Däbritz tauchte allein vor Torhüterin Schmitz auf und erhöhte auf 2:0 für Bayern. Eine Minute vor dem Halbzeitpfiff traf Nicole Rolser nach einem Konter zum 3:0. Erneut wirkte Turbines Abwehr unorganisiert und überfordert.

Die zweiten 45 Minuten des Spiels war weniger aufregend. Die Potsdamerinnen fanden weiterhin kein Mittel, um den FC Bayern unter Druck zu setzen und blieben erneut ohne Torchance. Die Münchnerinnen spielten mit dem Vorsprung im Rücken verhaltener, kamen aber dennoch zu klaren Chancen: In der 80. Minute schließlich umdribbelte Vivianne Miedema Potsdams Torfrau und traf zum 4:0-Endstand.

Die Partie hatte einen verdienten Sieger gefunden und so fuhr Bayerns Trainer Thomas Wörle »glücklich« nach Hause. Turbine-Coach Matthias Rudolph will am kommenden Wochenende zumindest »mit einem Auge nach München schauen.« Dort schließt der FC Bayern seine Saison mit dem Heimspiel gegen die sechstplatzierte SGS Essen ab. Aber nur bei einem Remis der Münchnerinnen und einem Sieg in Duisburg hat Turbine noch eine Chance auf Platz zwei.

Wie wichtig dieser für den Verein ist, hatte Turbines Präsident Rolf Kutzmutz vor dem Spiel erzählt: »In der Champions League hat man die Möglichkeit, was zu verdienen.« Drei Jahre waren die Potsdamerinnen nicht dabei, davor waren sie Dauergast. »Die Rücklagen daraus waren mit Ende der vergangenen Saison aufgebraucht«, berichtete Kutzmutz. Ganz große Sorgenfalten hatte er am Sonntag aber nicht. Einerseits ist der Verein auch ohne Champions League finanziell zumindest solide aufgestellt. Und andererseits war er trotz der Niederlage zufrieden. »Für uns ist es eine gute Saison.«

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