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Keine Chance für Leertasta und Tastatura

Russland sagt kuriosen Namen den Kampf an

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.
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Botsch ist 14, seine Eltern hoffen, dass er anstandslos einen Personalausweis bekommt. Nach seiner Geburt hatten sich die Beamten beim Standesamt geweigert, eine Geburtsurkunde auf den Namen BOTSCH rWF 260602 auszustellen. Dabei war es einfach und logisch: Biologisches Objekt Mensch (tschelowek) aus dem Geschlecht Woronin-Frolow. Die Zahlen stehen für das Geburtsdatum 26.06.2002.

Den Vorwurf, dass es kein menschlicher Name sei, wies Vater Wjatscheslaw Woronin zurück: Der Name enthalte einen klaren Hinweis darauf, dass sein Kind ein Mensch sei. Er selbst habe von Kindesbeinen an für Technik geschwärmt, besonders für Roboter, die immer Namen aus Buchstaben und Zahlen hatten, sagte Wjatscheslaw Journalisten der »Komsomolskaja Prawda«, die Botsch damals landesweit berühmt gemacht haben.

Der Kleine erhielt keine Personalpapiere und wurde, als es soweit war, mit einem Pass der Internationalen Regierung der Weltbürger eingeschult. Jetzt hat Wjatscheslaw vorgetastet und erfahren, dass sein Sohn als Botsch Frolow seinen Erwachsenenausweis bekommen kann. Die Eltern stoßen sich nicht mehr daran, dass der Name unvollständig ist. Sie wüssten ja, wie er richtig heiße, sagt ironisch lächelnd die Mutter, Marina Frolowa. Die Beamten haben sich mit ihnen auch abgefunden. Beide Elternteile seien Künstler, und die haben oft gewisse Extras.

Vor 14 Jahren hatten die Reporter einen Vorgang angeschoben, der wohl bald in einem Gesetz gipfeln wird. Die Staatsduma will Namen verbieten, die sich aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen zusammensetzen, von Berufsbezeichnungen ableiten und/oder obszöne Wortteile enthalten. Bisher konnten nur Eltern und Vormunde die Namenswahl bestimmen. Die Standesämter konnten sie nur auffordern, sich den Namen des Neugeborenen noch einmal gründlich zu überlegen.

Die Leidtragenden sind die Kinder. Die Tochter des sowjetischen Exparteichefs Nikita Chruschtschow, Rada, musste in ihrer Kiewer Zeit den Spott der Mitschüler ertragen. Rada, ein russischer Mädchenname, heißt auf Ukrainisch Parlament, abgeleitet vom deutschen Rat. Berufsbezeichnungen wie Traktoristka und Kosmonautka wurden in der Sowjetunion ebenfalls gern benutzt. Der männliche Vorname Mels setzte sich aus den Anfangsbuchstaben von Marx, Engels, Lenin und Stalin zusammen. Diese politisch motivierte Liste ließe sich beliebig fortsetzen. In Perm setzten zwei Angehörige der Satanskirche für ihren Erstling den Namen Luzifer durch.

Just an dem Tag, als ein Junge in Jekaterinburg das Licht der Welt erblickte, besetzte Russland die ukrainische Krim. Der Vater ließ ihn beim Standesamt auf den Namen Krim eintragen. Die Beamtin fragte nur, ob sie richtig gehört habe, wagte aber angesichts der politischen Situation keine Widerrede. Wenn nichts dazwischen kommt, wird der Krim nun die Krim erblicken. Die Familie will nach Sewastopol umsiedeln.

Im Internetzeitalter wollen Eltern ihren Sprösslingen manchmal Namen wie Tastatura, Semikolon oder Leertasta geben. Im Russischen ist es umso bedenklicher, als es neben dem Vor- auch den Vatersnamen gibt. Ein Iwan Semikolonowitsch müsste im Leben mit ungeahnten Problemen rechnen. Bisher ließen sich Eltern solche verrückten Ideen ausreden, sagt Valentina Petrenko, die den Gesetzentwurf im Parlament einbrachte. Auch sonst handle es sich nur um seltene Ausnahmen. Es sei zum Glück keine Massenerscheinung, komme aber vor.

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