Ungarn wird zum Zufluchtsort für Neonazis

Europäische Rechtsradikale fühlen sich zunehmend von den Zuständen unter der Orban-Regierung angezogen

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Zumindest der Aufenthalt in Ungarns berüchtigten Containerlagern ist dem verhinderten Asylbewerber erspart geblieben. Vergeblich hatte der notorische Holocaustleugner Horst Mahler an Ministerpräsident Viktor Orban als »den Führer der ungarischen Nation« appelliert, ihm als »politisch Verfolgten« Asyl zu gewähren.

Statt in einem der geschlossenen Internierungslager für Asylbewerber endete die Flucht des 81-jährigen Deutschen in die erhoffte Freiheit nach seiner Verhaftung in Sopron zu Wochenbeginn in ungarischer Abschiebehaft. Doch sein vergebliches Asylgesuch zeugt von der wachsenden Popularität des Pusztastaates bei Europas Neonazis: Sie sind dabei, das Land als Hort der Zivilisation und für sie sicheren Hafen zu preisen.

Ob bei gemeinsamen Aufmärschen in SS- und Wehrmachtsuniformen, Gedenkveranstaltungen oder Wehrsportübungen: Vor allem Neonazi-Gruppierungen aus dem süd- und ostdeutschen Raum pflegen zu ungarischen Rechtsextremisten im weiteren Dunstkreis der Jobbik-Partei enge Freundschaftsbande. Ungarn sei »längst zum beliebtesten Reiseziel bayerischer Neonazis« geworden, konstatierte unlängst ein Bericht des »Bayerischen Rundfunks«.

Doch es ist nicht nur Ungarns blühende Neonaziszene, sondern auch das nationalistische Klima in dem seit sieben Jahren von der rechtspopulistischen Fidesz-Partei regierten Land, das völkisch beseelte Rechtsextremisten aus ganz Europa sich auch dauerhaft im Donaustaat ansiedeln lässt. Es gebe in Budapest eine kleine, aber sehr rasch wachsende Gemeinschaft von westeuropäischen Nationalisten, berichtete kürzlich der britische Rechtsextremist Nick Griffin, der selbst seinen baldigen Umzug an die Donau plant. Ungarn werde für Menschen, »die keinen zivilisatorischen Selbstmord« begehen wollten, zur »Attraktion«. Nicht nur Ungarns »politische Szene«, sondern auch die relativ geringen Lebenskosten und die gute strategische Lage Budapests ziehe Nationalisten aus ganz Europa an.

Außer britischen Rechtsextremisten wie Britain-First-Mitbegründer Jim Dawson sind es auch bekannte Größen der schwedischen Neonaziszene, die verstärkt von Ungarn aus operieren. Laut Recherchen des britischen »Searchlight«-Magazins, das sich schon seit über 40 Jahren mit der europäischen Naziszene beschäftigt, hat der rechtsextreme Verlag Arktos Media schon 2015 seinen Sitz von Stockholm nach Budapest verlagert. Wie dessen Mitbegründer Daniel Friberg habe sich auch der rechtsextreme Millionär Patrik Brinkmann in Ungarn niedergelassen: Mit seiner Kontinent-Europa-Stiftung unterhalte er enge Kontakte zur deutschen NPD, aber auch zu spanischen und italienischen Neofaschisten.

An den neuen Nazinachbarn scheint sich Ungarns sonst so auf Abgrenzung gegenüber Zuwanderern bedachte Regierung kaum zu stören. Im Gegenteil. »Die wahren Flüchtlinge werden wir natürlich aufnehmen«, versicherte Orban im Februar in seiner auch auf Deutsch übersetzten Rede zur Lage der Nation: »Erschrockene« Politiker und Journalisten aus Deutschland, Frankreich oder Italien, die gezwungen seien, ihre Heimat zu verlassen, und »ihr zu Hause verlorenes Europa bei uns finden wollen«.

Diese großzügige Einladung hatte Mahler offenbar zu ernst genommen: Nach der erwarteten Abschiebung hat er in Deutschland seine Resthaftstrafe wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung zu verbüßen.

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