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Frankreich: Öko-Star wird Minister

Der Umweltschützer Nicolas Hulot wird Umweltminister

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Er war nie richtig dabei und doch immer mittendrin. Als freies Element engagiert sich Nicolas Hulot seit 30 Jahren für den Umweltschutz in Frankreich – hofiert von rechten und linken Präsidenten, respektiert von Konzernvorständen, geliebt und gehasst von der Umweltbewegung. Eine schillernde Figur und ohne Zweifel der Rockstar der Umweltbewegung in seinem Land. Nun hat Emmanuel Macron es geschafft, sich als erster Präsident die Marke »Hulot« ans Revers zu heften: Am Mittwochnachmittag ernannte Macrons Premierminister Edouard Philippe Hulot zum neuen französischen Umweltminister.

Seit er 2002 erstmals in einer Präsidentschaftswahl Jacques Chirac unterstützte, versuchen Präsidenten Nicolas Hulot für sich zu gewinnen – bisher umsonst. Auch Nicolas Sarkozy und François Hollande erteilte Hulot eine Absage. In einem Interview mit klimaretter.info antwortete Hulot noch im November auf die Frage, warum er nie Minister werden wollte:

»Das ist nicht meine Art, Dinge zu bewegen. Als Umweltminister stehst du in Frankreich ständig zwischen Baum und Borke, zwischen Finanz- und Wirtschaftsminister und dem Präsidenten. Und eigentlich hast du wenig Chancen, deine Anliegen durchzubringen.«

Begonnen hat Hulots Karriere 1987 mit seiner Sendung »Ushuaïa« beim Fernsehsender TF1. Die wurde schnell legendär, heute gehört sie zum TV-Kult wie in Deutschland »Wetten, dass ...«. Angestaubte Filmchen aus den 1980er Jahren zeigen den jungen Hulot im Strickpullover in einer Blockhütte im Wald, wie er über das Landleben und eine intakte Umwelt schwadroniert – auch das gehört zum Hulot-Kult.

Doch der Fernsehmoderator ist mehr als ein Selbstdarsteller. Seine Sendung reichte ihm schon bald nicht mehr; 1990 gründete er seine eigene Umweltstiftung, die heutige Fondation Nicolas Hulot. Die Stiftung fährt Kampagnen gegen die Vermüllung der Meere und unterstützt Indigene im Kampf gegen Großprojekte. Hulots Auftrag: Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Öko-Themen. Alle fünf Jahre versuchte er den Umweltschutz bei den Präsidentschaftswahlen zum Thema zu machen und verpflichtete Präsidenten wie Sarkozy zu einem »Öko-Pakt«.

Nun muss Hulot selbst liefern

Unter Hollande wurde er schließlich zum »Sondergesandten für den Schutz des Planeten« ernannt. Unbezahlt, wie er betonte. Er sah sich immer noch sich als »frei schwebendes Elektron«. Doch das ist nun vorbei. Jetzt wechselt Hulot endgültig die Seiten und muss künftig selbst liefern.

Dass er sich auch mit Konzernbossen an einen Tisch setzt und sich auch mal gern für Imagekampagnen einkaufen lässt, wenn es der Sache dient, finden einige richtig, andere verwerflich. Bei einem Besuch des besetzten Flughafengeländes von Notre-Dames-des-Landes wurde er von Öko-Aktivisten ausgebuht.

Doch genau jene Aktivisten könnten nun von Hulot »gerettet« werden. Nachdem auch die Regierung Hollande den Streit um den Bau des Flughafens nicht lösen konnte und immer wieder Räumungstrupps schickte, könnte Hulot das Projekt tatsächlich stoppen. Einige Medien spekulieren sogar, dass Nicolas Hulot einen Deal mit dem neuen Präsidenten eingefädelt haben könnte und nur unter der Bedingung eines Stopps der Flughafenpläne den Posten annahm.

Von seiner Vorgängerin Ségolène Royal übernimmt Hulot außerdem die Erbschaft einer beginnenden Energiewende und eines alternden nuklearen Kraftwerksparks. Besonders delikat: Noch nie in der Geschichte der Fünften Republik war ein Atomkraftgegner Umweltminister. Hulot ist nicht nur für einen Atomausstieg à l›Allemagne, sondern auch gegen Schiefergas, Gentechnik und Massentierhaltung.

Noch vor wenigen Monaten erklärte Hulot: »Die politische Klasse hat für die Lösung der aktuellen Probleme des Landes nur völlig veraltete Rezepte.« Nun ist Hulot selbst einer jener Politiker und es wird sich zeigen, ob er zusammen mit Präsident Emmanuel Macron wirklich einen Neuanfang wagt.

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