Von Andreas Fritsche

Der Ökogarten soll bleiben

Kinder der Bornholmer Grundschule kämpfen im Bezirksparlament Pankow lautstark für ihre grüne Oase

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Der Ökogarten soll bebaut werden.

Ein Junge tritt ans Mikrofon und fragt: »Warum sollen ein so schöner grüner Ort und die Heimat der Tiere zerstört werden?« Ein Mädchen erzählt: »Ich mag den Ökogarten, weil ihn die Kinder gestaltet haben.« Sie will wissen: »Könnte man nicht das Gelände der bulgarischen Botschaft nehmen?«

Etwa 200 Sitzplätze für Zuschauer bietet der Saal der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow. Sie sind am Mittwochabend alle besetzt von Kindern der Bornholmer Grundschule und ihren Eltern. Viele stehen auch in den Gängen, weil sie keinen freien Stuhl mehr gefunden haben.

Es besteht die Gefahr, dass der Schulgarten einem Anbau plus Kantine und Turnhalle weichen muss. Auch ein paar Parzellen der benachbarten Kleingartenanlage Bornholm II sind bedroht. Eltern und Schüler sind gekommen, um für den Ökogarten der Schule zu kämpfen. Einige Kinder dürfen in der Einwohnerfragestunde der BVV ihre Bedenken vorbringen. Als sie fertig sind, gibt es tosenden Beifall.

Dann versucht Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) zu beschwichtigen. Er erklärt, warum Pankow insgesamt viel mehr Klassenzimmer benötigt. Derzeit besuchen im Bezirk 31 000 Kinder und Jugendliche den Unterricht. Doch 2024/25 werden es 39 000 sein. Darum müssen neue Schulen gebaut und bestehende Schulen erweitert werden.

Nach Ansicht von Gesamtelternvertreterin Laura L. Gintar gibt es an der Bornholmer Grundschule jedoch einige Alternativen. Wenn das Dachgeschoss wirklich nicht für Klassenzimmer geeignet sei, so vielleicht für Horträume, die dann auf den Etagen frei würden für den Unterricht. Auch könnte der Keller für die Kantine benutzt werden. Die Thomas-Mann-Schule sei einst vom selben Architekten in ähnlicher Weise entworfen worden, und dort sei inzwischen im Keller eine sehr schöne Kantine eingerichtet, sagt Gintar.

Dann ist da noch gleich nebenan ein unbebautes Grundstück, das der Republik Bulgarien gehört. Stadtrat Kühne versichert, noch sei nichts entschieden und allen Hinweisen werde nachgegangen. Die Variante Keller werde geprüft und auch die Variante Dachgeschoss, wenngleich es da Probleme mit dem Denkmalschutz gebe. Was das bulgarische Areal betreffe, so würde es sicher eine Millionensumme kosten. Die könnte der Bezirk nicht aufbringen. Da müsste der Senat helfen. Aber im Moment scheitert es schon daran, dass Bulgarien noch nicht signalisierte, ob es überhaupt verkaufen würde.

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich (LINKE) hatte sich deswegen an die Botschaft gewandt, die sich auch zurückmeldete. Ein Gesprächstermin konnte aber noch nicht vereinbart werden. Bulgarien hatte das Gelände vor etlichen Jahren in einem Tauschgeschäft bekommen. Im Gegenzug erhielt die Bundesrepublik ein Areal in Sofia für ihre Botschaft. Das bekam der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) durch Nachfrage beim Auswärtigen Amt heraus.

Vorsorglich versucht Stadtrat Kühne zu beruhigen. »Es ist nicht beabsichtigt, dass der Ökogarten völlig verschwindet. Er müsste aber gegebenenfalls verlegt werden«, sagt er. Und auf keinen Fall würde die Baumaßnahme vor dem Jahr 2020 beginnen, vielleicht erst 2021. Diese Auskunft sorgt aber keineswegs für Beruhigung. Im Saal bricht ein Pfeifkonzert los und eine Mutter ermuntert: »Schilder hoch, Kinder!« Viele Schüler steigen auf ihre Stühle und winken aufgeregt mit Pappschildern, die sie gebastelt und fantasievoll bemalt und beschriftet haben.

BVV-Vorsteher Michael van der Meer (LINKE) hat sich die Schilder und den Trubel bereits vor der Sitzung angesehen - durchaus mit Verständnis und Sympathie. Er besuchte vor vielen Jahren selbst diese Schule und findet, dass die Freiflächen dazugehören und nicht einfach geopfert werden dürfen. Van der Meer denkt an eine andere Möglichkeit. In der Nähe der Bornholmer Grundschule befindet sich an der Driesener Straße ein Oberstufenzentrum. Dort war früher eine Grundschule untergebracht. Der Bezirk trat das Gebäude jedoch an den Senat ab, als er zeitweise keinen Bedarf dafür hatte. Den Berufsschülern sind längere Wege eher zuzumuten, erinnert van der Meer. Wenn das Oberstufenzentrum verlegt würde, so könnte auf einen Anbau an die Bornholmer Grundschule verzichtet werden.

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