Von Elsa Koester

Klar demonstriert die Linkspartei gegen Putin - und die G20

Jan van Aken und andere Aktivisten bereiten sich auf die Gipfelproteste vor: Auf Twitter und der Alster

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Emily Laquer (l), Sprecherin Demonstration Grenzenlose Solidarität statt G20, und Jana Schneider, Sprecherin Block G20, wappnen sich mit einer Zahnbürste gegen die Repression

Kaum blickt der Sommer um die Ecke, erhitzen die Proteste gegen den G20-Gipfel ordentlich die Gemüter. Auf der grünen Wiese Berliner Körnerpark sonnen sich die Neukölner seit Mittwoch auf der Message »G20 to hell«, die großen Lettern wurden scheinbar mit Essigsäure eingeätzt. »Der Körnerpark war zu klein, um die Kritik auszubuchstabieren«, schreiben anonyme Nutzer auf der linksradikalen Internetplattform »Indymedia«, und kündigen an, dies bei den Berliner Aktionstagen nachholen zu wollen, die bereits Anfang Juni in Berlin stattfinden sollen.

Der LINKE-Politiker Jan van Aken, der die »NoG20«-Großdemonstration am 8. Juli in Hamburg angemeldet hat, trägt unterdessen via Twitter andere Protest-Ideen an die Berliner heran. Wie das »Hamburger Abendblatt« berichtet, soll US-Präsident Donald Trump beim Gipfel nicht in Hamburg unterkommen, sondern im Berliner »InterContinental«. »Na, Berlin, das ist doch auch ein guter Anlass für eine große Demonstration, oder?«, twitterte van Aken, was den Politik-Chef der ZEIT wiederum zur Provokation veranlasste: »Und wo demonstrieren Sie gegen #Putin?« Van Aken nahm’s gelassen. »Na, Herr Ulrich, was soll der Quatsch denn? Das wissen Sie doch: am 8. Juli in Hamburg, mit vielen Zehntausenden«, schlug er gekonnt zurück. 1:0 für den Gipfelgegner.

Auch der linke Kampagnenriese Campact probte schonmal, nun ja, nicht gerade den Aufstand, aber seine Bootsdemo, mit der die Aktion »Protestwelle« am 2. Juli zu Beginn der Aktionswoche in Hamburg starten soll. Mit einer handvoll Booten zeigten die Campaigner am Freitag auf der Binnenalster Präsenz. Sie hielten Schilder hoch, auf denen die G20 dazu aufgefordert werden, soziale Ungleichheit zu bekämpfen. »In Zeiten von zunehmendem Nationalismus ist internationale Kooperation dringend nötig, um Hungersnöte, Ungleichheit, Klimawandel, Kriege und Vertreibungen zu bekämpfen«, schreibt Campact dazu auf seiner Homepage. »Doch die bisherige neoliberale Politik der G20 ignoriert diese globalen Probleme und liefert keine Lösungen.« Mit ihren Protesten vor dem Gipfel will Campact zusammen mit weiteren NGOs Forderungen aufstellen, die bei den Verhandlungen berücksichtigt werden sollen.

Das Bündnis »BlockG20«, das die Zufahrtswege zu den Messehallen blockieren will, in denen der Gipfel stattfinden soll, bereitet sich derweil auf lange Aufenthalte im Knast vor. Für die Gefangenensammelstelle hat die Stadt Hamburg bereits einen ehemaligen Lebensmittelgroßhandel umgebaut. 400 Aktivisten sollen dort Platz finden. Die nehmen’s ebenfalls gelassen– und schlagen vor, eine Zahnbürste einzupacken.

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