Humpels Mahnmal

Ein Berliner wurde unfreiwillig Experte für Fahrraddiebstahl

  • Von Kerstin Ewald
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Wenn Jörg Humpel montags mit einer Tasse Tee durch seinen Garten geht, findet er regelmäßig zerstörte Fahrradschlösser. Diebe werfen sie achtlos über seinen Zaun, wenn sie wieder einmal ein Rad vom stählernen Parkbügel getrennt haben. Jenseits des Zaunes befinden sich die Fahrradstellplätze des Berliner S-Bahnhofes Rahnsdorf.

Irgendwann hat Humpel angefangen die Schlösser aufzubewahren. Sie sind Reliquien, letzte materielle Überreste der Beuteräder, die für die traurigen Besitzer meist auf ewig verloren sind. Schließlich türmte er den Schlösserhaufen in eine alte Schubkarre und stellte sie an seinen Gartenzaun. Dort mahnen sie all diejenigen, die hier täglich ihren stählernen Gefährten parken. Ein Denkmal für die oft viel zu kurzlebige Freundschaft zwischen Mensch und Fahrrad.

Der Rahnsdorfer Bahnhof liegt am Stadtrand und mitten im Wald. Das macht ihn für Raddiebe so attraktiv. Nur wenige Menschen wohnen hier in zwei ehemali...

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