Die Brille unter den Fernsehern

Warum das Fahrrad uns die Augen öffnen kann. Eine philosophische Zeitfahrt von Martin Hatzius

  • Von Martin Hatzius
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Die Fahrradgeschichtsschrei᠆bung ist eine umstrittene Disziplin. Nicht einmal darüber, dass die Mannheimer Jungfernfahrt des Karl von Drais auf seinem selbsterfundenen einspurigen Laufrad am 12. Juni 1817 als Geburtsstunde des Fahrrads anzusehen sei, herrscht Einigkeit. Das »Prinzip der zwei hinter einander laufenden Räder«, schreibt Eduard Bertz in seiner im Jahr 1900 erschienenen »Philosophie des Fahrrads«, sei vielmehr bereits »in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Nürnberg an einer Laufmaschine« aufgetaucht.

Unbestritten sind hingegen die bahnbrechenden sozialen Auswirkungen der Popularisierung des pedalbetriebenen Niederrads seit Ende des 19. Jahrhunderts, als dieses Gefährt für breitere Schichten erschwinglich wurde. Es waren nun nicht länger nur die hochwohlgeborenen Herren, die das Unabhängigkeitsversprechen, das dem Fahrrad innewohnt, beim Wort nahmen, sondern eben auch Arbeiter und Frauen. Nicht umsonst sind es so...

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