Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Trüber Tunnelblick am Mittelrhein

Rheinland-Pfalz: In Oberwesel und St. Goar wehrt man sich gegen Billigpläne der Bahn

  • Von Jens Albes, Oberwesel
  • Lesedauer: 3 Min.

Die linksrheinischen Gleise durch das Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal gehören zu den schönsten Bahnstrecken Deutschlands. Doch die drei Bahntunnel mit zinnengeschmückten Portalen gegenüber dem Loreley-Felsen sind mehr als 150 Jahre alt - und im instabilen Schiefergestein dringend sanierungsbedürftig. An der engsten Stelle des Welterbe-Tals ist das nicht einfach. Befürchtet werden eine Teilzerstörung der Stadtmauer St. Goars, eine Beeinträchtigung der historischen Weinberge und der Verlust des Welterbe-Titels. Ohnehin leidet die Region massiv unter Bahnlärm. Hunderte Züge rattern täglich durch das burgengesäumte Tal.

Bereits 2013 und 2014 hat ein Arbeitskreis vor Ort sechs Varianten einer Tunnelsanierung beleuchtet. Ergebnis: Die Region befürwortet die Variante »Pink«. Das wäre ein rund sieben Kilometer langer neuer Umgehungstunnel von St. Goar bis hinter Oberwesel - und somit als komplett unterirdische Lösung gut für lärmgeplagte Anwohner, historische Gemäuer und alte Weinberge an einer Strecke, die in der Nähe auch schon Erdrutsche und Entgleisungen erlebt hat. Nach jahrelanger Stille sorgen nun Meldungen für Unruhe, die Bahn bevorzuge die weitaus preiswertere Variante »Rot«. Das wäre eine Sanierung der kurzen historischen Tunnel plus - aus Sicherheitsgründen - der Bau neuer paralleler Röhren. »Das wäre eine Katastrophe«, sagt die Beigeordnete der Verbandsgemeinde St.-Goar-Oberwesel, Ursula Krick (CDU). »Der Marktplatz von St. Goar ist gerade erst neu gestaltet worden.« Der Vorsitzende der Bürgerinitiative »Oberwesel 22 - Zukunft trotz Bahn«, Harald Steppat, befürchtet eine Bauzeit von bis zu zehn Jahren »mit Lkw alle fünf Minuten rund um die Uhr« und eine weitere Entvölkerung des Mittelrheintals. Hier sind schon viele Anwohner vor dem Lärm geflohen: Gegenüber am rechtsrheinischen Ufer verläuft laut Deutscher Bahn Europas meistbefahrene Güterzugstrecke.

Ein Bahnsprecher betont, noch sei nichts entschieden. Die Bahn habe lediglich seit 2014 stets erklärt, dass sie nur eine »bestandsnahe Tunnellösung« finanzieren könne. Für die teurere Variante »Pink« müssten zusätzliche Bundes- oder Landesmittel fließen. Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium winkt ab: Zwar favorisiere es ebenfalls die Variante »Pink« - die Finanzierung sei aber Aufgabe von Bund und Bahn. Der Bahnsprecher sagt: »Mit dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Bundesverkehrsministerium sind wir im Gespräch. Eine Rückäußerung des Bundes dazu steht noch aus.«

Der Kostenunterschied zwischen »Rot« und »Pink« wäre wohl gewaltig. Der Bahnsprecher nennt noch keine Zahlen: »Da muss erst die Vorplanung kommen.« Die Beigeordnete Krick geht von rund 150 Millionen Euro für die Minimallösung »Rot« aus. Die Kosten für »Pink« beziffert die Bürgerinitiative dagegen mit fast 400 Millionen Euro. Ihr Vorsitzender Steppat, ein Ingenieur, sagt, eine der drei historischen Röhren, der Kammereck-Tunnel, sei wegen bestimmter schräger Schieferschichten nicht zu sanieren: »Das ist absolut labil, da könnte alles abrutschen.« Ohnehin drohe irgendwann ein Zehn-Tonnen-Felsbrocken am Hang zwischen zwei Tunneln auf die Gleise zu krachen. »Der kann nicht aufgefangen werden, da kann kein Lokführer mehr bremsen.«

Aus der Region heißt es, möglicherweise treibe die Bahn ihre Variante nur taktisch voran, um leichter Zuschüsse von Bund oder Land zu ergattern. Vor der Bundestagswahl im Herbst werde aber wohl nicht mehr entschieden. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln