Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Fluorid statt Karies

Biolumne

  • Von Iris Rapoport , Boston und Berlin, und Viola Berkling, Oschersleben
  • Lesedauer: 3 Min.

Fluorid findet sich überall in der Umwelt - selbst in der Luft. In Spuren ist es in vielen Nahrungsmitteln und sogar in der Muttermilch enthalten. Eine der üppigsten Quellen ist schwarzer Tee. Der Gehalt im Trinkwasser schwankt regional stark.

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts war aufgefallen, dass in manchen Gebieten alle Menschen an Karies litten, in anderen dagegen nur wenige. Deren Zähne waren dafür oft fleckig. Dass in beiden Fällen der Fluoridgehalt des Trinkwassers die Ursache war, erkannte man erst Jahrzehnte später.

So hatte die Natur selbst die Befunde geliefert, die in Studien zu erheben sich aus ethischen Gründen verboten hätte. Ausgehend von der Analyse der Daten wurde vor über 70 Jahren erstmals in Grand Rapids (US-Bundesstaat Michigan) dem Trinkwasser Fluorid zugefügt. Der Erfolg war überzeugend. Etwa 25 Länder, darunter die DDR, folgten dieser Initiative.

Die WHO empfiehlt einen Zusatz von 0,5 bis 1,2 Milligramm pro Liter Trinkwasser. Die Bundesrepublik hat einen anderen Weg beschritten. Es wird, neben guter Zahnpflege, auf Fluorid-Zusatz zu Zahnpasten und Kochsalz gesetzt. So gehört auch Deutschland in der Zahngesundheit weltweit zur Spitze. 81 Prozent der heute Zwölfjährigen, so wies es die 5. Deutsche Mundgesundheitsstudie 2016 aus, sind kariesfrei.

Schaut man genauer hin, zeigt sich der Pferdefuß der bundesdeutschen Variante. Unter den restlichen 19 Prozent finden sich gehäuft sozial und ökonomisch Benachteiligte.

Fluorid kann in die Apatite der harten Zahngewebe eingebaut werden. Solche Fluorapatite kristallisieren besser. Das ist schon bei der Zahnbildung wichtig. Zudem macht Fluorid diese Phosphate viel widerstandsfähiger gegen Säuren. Das Fluorid-Ion reichert sich beim ständigen Wechsel von De- und Remineralisierung im äußeren Schmelz an. Dabei kann das Fluorid sowohl aus dem Speichel als auch aus der Zahnpflege stammen. Nun wirkt der Schmelz bei den Attacken der Kariesbakterien wie ein Schutzschild!

Ein fluorapatit-haltiges Kristallgefüge kann den Belastungen durch unsere von reichlich Zucker und Säuren geprägten Essgewohnheiten gut widerstehen! Verständlich, dass dazu eine lebenslange Fluoridzufuhr notwendig ist. Bleibt zu ergänzen, dass Fluorid möglicherweise auch die Kariesbakterien hemmt.

Doch wie so oft ist die Spanne zwischen Nutzen und Schaden klein. Deshalb muss in manchen Gegenden bei der Trinkwasseraufbereitung Fluorid sogar reduziert werden. Zuviel davon schädigt die zahnbildenden Zellen. Das führt zu weiß- bis braunfleckigen Zähnen und wird Zahnfluorose genannt. Bei einigen Kindern verursacht bereits eine Fluoridzufuhr, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Karies verhindert, eine leichte Fluorose. Doch deren meist kaum sichtbare weiße Flecken gefährden die Zähne nicht.

Vielleicht ist Fluorid nicht lebensnotwendig. Aber durch Fluorid lässt sich gegen die häufigste Zivilisationskrankheit - Karies - vorbeugen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln