Madrid: Zehntausende beim »Marsch der Würde«

Demonstration gegen Verarmung der Arbeiterklasse in Spanien / Kritik an »winzigen Löhne« und Reformen der rechtskonservativen Regierung

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 2 Min.

In Madrid haben am Samstag Zehntausende Menschen gegen Korruption und Austerität demonstriert. Zuvor hatten sich Menschen aus allen Landesteilen Spaniens zu Fuß auf den Weg nach Madrid gemacht. Den sogenannten Marsch der Würde gibt es seit drei Jahren. In der Hauptstadt vereinten sich die verschiedenen Märsche, um aus allen vier Himmelsrichtungen in Marschsäulen mit den Namen »Freiheit«, »Gleichheit«, »Einheit« und »Solidarität« ins Zentrum zu ziehen. Dort wurden die Protestierer trotz unerträglicher Hitze von Tausenden Menschen unterstützt, um »Brot, Arbeit, Wohnraum und Gleichheit zu fordern«. Zu der Demonstration hatten Dutzende Gewerkschaften und linksgerichtete Organisationen aufgerufen.

Die Zahlen zur Beteiligung gehen wie üblich weit auseinander. Die Veranstalter sprechen – übertrieben – von 200.000 Demonstranten, während die spanische Regierung – stark untertrieben – von 6000 spricht. Obwohl die konservative Regierung ständig erklärt, die wirtschaftliche Lage verbessere sich stetig, sehen die Marschierer das anderes. Ángeles Maestro, die zu den Organisatorinnen gehört, meint, »für die übergroße Mehrheit der Menschen verschlechtert sich die Lage täglich, weshalb man weiter auf die Straße gehen muss«.

Auch der immer weitere Kreise ziehende Korruptionsskandal der regierenden Volkspartei (PP) spielte am Samstag eine Rolle. Über diesen zeigt sich nun sogar die EU-Kommission beunruhigt. Vergangene Woche warf sie Spanien in der jährlichen Länderanalyse vor, weder über eine »Präventionsstrategie« zur Bekämpfung, noch über Gesetze zum Schutz derer zu verfügen, die Korruption anzeigen.

Die Teilnehmer der Märsche stützten den Misstrauensantrag, mit dem die Partei Podemos den Regierungschef Mariano Rajoy im Juni zu Fall bringen will. »Wir haben einen korrupten Ministerpräsidenten, der eigentlich im Knast sitzen müsste«, meint Andrés Gallego, Sprecher der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft »CGT« im Baskenland. Breit wurde am Samstag auch ein Generalstreik gefordert, um die Konservativen aus der Regierung zu jagen.

Für Alberto Garzón, Generalsekretär der Vereinten Linken (IU) sind solche Mobilisierungen von zentraler Bedeutung, um Verbesserungen für die Menschen im Parlament und letztlich eine linke »Alternative zum Aufbau eines neuen Landes« durchzusetzen. Der Erfolg der Märsche für die Würde zeigt für Garzón die »allgemeine Unzufriedenheit« im Land. In Spanien beträgt die Arbeitslosenquote über 18 und die bei Jugendlichen sogar über 40 Prozent.

Die Jugend leide zwar am stärksten, doch Antonio Barahona, Mitglied einer Vereinigung, die sich gegen den Betrug von Banken an ihren Sparer wehrt, kritisiert, dass viele junge Menschen verteidigungsfähig seien. »Ihnen wurde nur Resignation gelehrt und sie sind unfähig, ihre Zukunft zu verteidigen.« So würden sie zu stillen Opfern.

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