Von Martin Kröger

Spur der Stolpersteine

Gedenkveranstaltung in Steglitz für Opfer der Deportation aus jüdischem Blindenheim

»Hier stand die jüdische Blindenanstalt. Wie die kleine Synagoge in Steglitz, Düppelstraße 41, wurde sie in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zerstört.« Diese Inschrift trägt eine Bronzetafel in der Wrangelstraße 6/7 in Steglitz. Sie wurde Mitte der 1960er Jahre enthüllt. Unterstützt vom Förderverein »Blindes Vertrauen« (Blindenwerkstatt Otto Weidt) sowie der Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron sollen an dieser Stelle auch Stolpersteine für die Deportierten aus dem Blindenheim verlegt werden.

Für den kommenden Donnerstag, den 1. Juni, 16 Uhr, ist vor dem Grundstück in der Wrangelstraße 6/7 eine Gedenkveranstaltung geplant: Insgesamt zehn Stolpersteine sollen dabei der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Initiativen rufen zu Spenden auf, damit 17 weiteren Deportierten des Blindenheims ebenfalls der Name zurückgegeben werden kann. Im Schlosspark Theater kommt bei einer Veranstaltung im Anschluss unter anderem ein Zeitzeuge der Deportation aus dem Blindenheim zu Wort. Außerdem werden die zehn Biografien der Blindenheimbewohner vorgestellt, derer am 1. Juni gedacht werden soll.

Der Künstler Gunter Demnig, der das gedenkpolitische Projekt für die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen entwickelt hat und die Stolpersteine herstellt, sagt laut Einladungsflyer zur Steglitzer Gedenkveranstaltung: »Um den Text auf einem Stolperstein zu entziffern, muss der Passant sich verbeugen; wenn er wieder aufsieht, fällt sein Blick auf das ehemalige Wohnhaus des Opfers.«

Seit 1996 werden in Berlin Stolpersteine für zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen, für Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der »Euthanisie-Morde« sowie für als vermeintlich »Asoziale« Verfolgte, verlegt. Insgesamt 7161 dieser Stolpersteine sind derzeit auf einer Karte auf der Homepage der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin verzeichnet. Sie ist seit 2012 an das Aktive Museum Faschismus und Widerstand in Berlin angegliedert und fungiert auch als Kontaktstelle. Betreut und umgesetzt werden die Stolperstein-Verlegungen von zwölf bezirklichen Initiativen, die wiederum von zahlreichen lokalen Organisationen unterstützt werden. Sie recherchieren biografische Hintergründe der Opfer, versuchen Nachfahren zu ermitteln und Kontakt zu ihnen herzustellen.

Vor ein paar Wochen, kurz vor dem 1. Mai, hat der Senat die Initiativen im Wappensaal des Roten Rathauses gegrüßt. Die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD), dankte den zahlreichen Initiativen für ihr freiwilliges Engagement: »Stolpersteine sind für mich nicht nur eine Form des Gedenkens und der Erinnerung an viele Menschen, die einmal Nachbarn und Bürger unserer Stadt waren.« Sie seien, erklärte Chebli, auch ein sichtbares Statement der deutschen Hauptstadt gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und ein Zeichen für ein friedliches und respektvolles Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft.

Spendenkonto: Petra T. Fritsche; Berliner Sparkasse, IBAN: DE 69 1005 00000720 153972; BIC: BELADEBE XXX; Stichwort: Stolpersteine

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