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G20-Gegner planen Aktionstage in Berlin

Linksradikale laden zu Veranstaltungen für globale Bewegungsfreiheit ab Freitag

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 4 Min.

Im Körnerpark in Neukölln ist das Betreten der Wiese verboten. Daran hält sich zwar niemand, aber es geht dort, in einem der bestgepflegten Parks der Stadt, gesittet zu. Eltern sonnen sich, Kinder planschen im Wasser, das die Rasenfläche umfließt. Seit kurzem bedeckt ein Schriftzug einen Teil der Wiese: »G 20 to hell«. Es ist einer der Vorboten der Aktionstage gegen den G 20-Gipfel in Hamburg, die am Freitag in Berlin starten. Aktivisten haben den Schriftzug vermutlich mit Essigwasser auf den Rasen geschrieben – und damit für große Aufregung gesorgt.

»Zur gleichen Zeit waren mal wieder Maientage in der Hasenheide, die geschätzte 1000 Quadratmeter Wiese unbenutzbar gemacht haben«, schreiben die Organisatoren der »G20 Action Days Berlin« auf Anfrage. Zu den Maientage kommen alljährlich rund 100 Schausteller in den Neuköllner Park Hasenheide. Als nach dem 21. Mai alle Fahrgeschäfte abgebaut wurden, blieb nicht viel übrig von der grünen Wiese. Dass das für weniger Ärger sorgte als der Schriftzug im pittoresken Körnerpark »scheint ein Beißreflex des deutschen Spießbürgertums zu sein«, so die Organisatoren der Aktionstage.

Mit ihnen wollen autonome Gruppen aus Berlin den Protest gegen den G 20-Gipfel dezentralisieren. »Wir denken, dass sich Herrschaft im Alltag manifestiert. Im Jobcenter, der Ausländerbehörde, auf der Arbeit. Dort kann sie aber auch angegriffen und in Frage gestellt werden – in den Alltagskämpfen der Menschen.« Diese Alltagskämpfe sollen vom 2. bis 13. Juni zusammengeführt und »mit Blick auf Hamburg lauter werden«. Als Beispiele nennen die Organisatoren in einem Beitrag auf dem linken Nachrichtenportal »Indymedia« unter anderem die Mietsteigerungen in der Hauptstadt und die drohende Räumung des Kiezladens Friedel 54 in Neukölln als »Eskalation einer kapitalistischen Stadtpolitik«.

Darüber wollen die Veranstalter am Freitag ab 18 Uhr auch mit Fahrgästen des öffentlichen Nahverkehrs ins Gespräch kommen. Auf der »Ringbahnfahrt« mit Start am Westkreuz soll die S-Bahn »als Ort des Schweigens zu einem Ort des (politischen) Austauschs« gemacht werden. Um 21 Uhr soll mit einer Kundgebung vor der Deutschen Oper der Erschießung Benno Ohnesorgs vor 50 Jahren als »Teil systematischer Repression« gedacht werden. Der Student Ohnesorg war am 2. Juni 1967 während einer Demonstration gegen den Besuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden.

Im besonderen Fokus der Aktionstage steht die für den 12. und 13. Juni im Schöneberger Gasometer geplante African Partnership Conference. Die G 20-Gegner kritisieren, statt einer Partnerschaft auf Augenhöhe gehe es um die weitere Öffnung der afrikanischen Märkte für Unternehmen aus den G 20-Staaten. Ein weiteres Ziel sei die Verlagerung der europäischen Außengrenze ins Innere Afrikas – nämlich mit Hilfe von Abkommen mit afrikanischen Staaten, damit diese ihre Grenzen selbst stärker sichern, um die Ausreise von Migranten zu erschweren. Fünf Staaten – Marokko, Tunesien, Côte d’Ivoire, Senegal und Ruanda – haben bereits entsprechende Absichtserklärungen unterschrieben.
Am 9. Juni laden Initiativen zur Fahrradrallye ein, bei der die Profiteure der deutschen Afrikapolitik besucht werden sollen: Bayer, Deutsche Bank und die Modekette H & M sind dabei. Für den 10. Juni um 15 Uhr ist unter den Motto »Wenn ich ein Turnschuh wär, käm ich über euer scheiß Mittelmeer« am Potsdamer Platz eine Demonstration gegen die Afrika-Partnerschaftskonferenz und für globale Bewegungsfreiheit geplant. Am 10. und 11. Juni werden außerdem ganztägig im NewYorck im Südflügel des Kunst- und Kulturhauses Bethanien in Kreuzberg Aktionstrainings angeboten.

Daneben rufen auch andere Berliner Gruppen zu Protesten gegen den G20-Gipfel auf. Die Interventionistische Linke Berlin lädt am 6. Juni um 19.30 Uhr zu einer Diskussionsrunde mit dem Titel »Fences for People, Freedom for Profits« ins SO 36 nach Kreuzberg ein. Als Gäste werden unter anderem der Journalist Albert Chaibou aus Niger und der Ökonom Ndongo Samba Sylla aus Senegal erwartet. Die Gruppe TOP Berlin (Theorie, Organisation, Praxis) hatte bereits für Donnerstagabend um 18.30 Uhr an der Rummelsburger Bucht zur Antinationalen Bootstour eingeladen – »mit Drinks, Musik und Infotainment«. »Am 7. Juli werden wir zusammen mit vielen anderen den Hamburger Hafen lahmlegen«, sagte TOP-Sprecherin Marlies Sommer auf Anfrage. »Denn das deutsche Exportmodell ist mitverantwortlich für das Elend der Welt. Eine Welt, in der die Waren frei fließen sollen, aber die Menschen im Mittelmeer ertrinken.«

Weitere Informationen:
https://actiondaysberlin.noblogs.org
https://linksunten.indymedia.org/de/node/214141
http://wirsindwuetend.blogsport.eu

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