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Gier nach Macht und Gold

Kapitalismus und Kolonialismus: Eine Großausstellung in der Völklinger Hütte im Saarland zeigt die Unversöhnlichkeit zweier Wertsysteme

  • Von Jörg Fischer, Völklingen
  • Lesedauer: 3 Min.

Kapitalismus und Kolonialismus: Aus Gier nach Gold vernichteten die europäischen Eroberer vor einem halben Jahrtausend die Inka-Kultur. Eine Großausstellung im Weltkulturerbe-Zentrum Völklinger Hütte beschäftigt sich derzeit mit jener Epoche und der untergegangenen Hochkultur.

Damals wie heute: Mit modernen Waffen wurde eine zahlenmäßig überlegende Armee geschlagen. Mit nur 172 Soldaten bezwang im Jahr 1532 der spanische Eroberer Francisco Pizzaro das Weltreich der Inka, das in den Jahrhunderten davor zum größten der Erde geworden war.

Die berittenen Konquistadoren in Ritterrüstung griffen die Truppen der Inkas mit Schusswaffen an - Schießpulver, Eisen und Pferde waren den Inka unbekannt. »Biologische Waffen« taten ihr Übriges. Das Immunsystem der Südamerikaner war nicht auf Krankheiten wie Pocken, die die Eroberer eingeschleppt hatten, vorbereitet. »3000 Jahre Kultur wurden ausradiert«, sagt der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig.

Dieser vergangenen Hochkultur, die sich innerhalb von Jahrtausenden entwickelt hatte, widmet sich die Welterbestätte im Saarland in diesem Jahr. Vor den mächtigen, schwarzen Maschinen in der Gebläsehalle des ehemaligen Eisenwerks glänzen mehr als 220 Exponate. Sie stammen vor allem aus dem weltberühmten Larco-Museum in Lima und Cusco, der früheren Inka-Hauptstadt. Ergänzt werden sie durch Stücke aus Museen in Frankreich, Wien, Hildesheim und Mannheim.

Getrieben waren die Spanier von ihrer Gier nach Gold. »Zwei Weltkonzepte prallten aufeinander«, sagt der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig. Für die Inka hatte das Edelmetall keine materielle, dafür ideelle und religiöse Bedeutung: Gold stand in der Andenregion für die Oberwelt der Götter und für die Macht ihrer Vertreter auf Erden, also der Inka-Könige. Silber verkörperte das weibliche Prinzip sowie die Unterwelt der Toten, Kupfer die irdische Welt und den Opferkult. Für die Spanier - oft Angehörige des niederen und mittleren Landadels - bedeutet Gold vor allem Anerkennung und Reichtum.

Unter den Exponaten sind Gefäße und Fruchtbarkeitssymbole aus kunstvoller Keramik, Gesichtsschmuck aus Gold und Silber, ein Opfermesser aus Kupfer oder geheimnisvoll verknotete Wollfäden.

Dass diese Ausstellungsstücke sind allesamt Grabbeigaben sind, ist kein Zufall: Denn die Spanier ließen oberirdisch nichts vom Gold und Silber der Kultur übrig. Die Großausstellung beginnt denn auch sozusagen von hinten: Gezeigt werden Waffen der Spanier - Rüstung, Schwert, Helm und Hakenbüchse. In den folgenden Sektionen wird die Inka-Kultur und deren Entstehung beleuchtet.

Die spanische Eroberung Südamerikas im ausgehenden 15. und im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts bedeutete für die Neue Welt eine Zeitenwende, in Spanien brach das »Siglo de Oro« - das goldene Zeitalter - an. Eroberer wie Pizzaro oder vor ihm Christoph Columbus brachten dem notorisch blanken katholischen Königshaus der Habsburger unschätzbare Reichtümer. Allein Pizzaro ließ etwa 180 Tonnen Gold und 16 000 Tonnen Silber einschmelzen und nach Spanien verschiffen. Die Schätze hatte ihm der gefangen genommene letzte Inka-König Atahualpa »geschenkt« - in der vergeblichen Hoffnung, sich freikaufen zu können. Um die Besessenheit der Spanier von den Edelmetallen wissend, hatte er seine Gefängniszelle mit Gold auffüllen lassen und die Zelle nebenan gleich zweimal mit Silber.

Die Spanier erlangten angesichts des neuen Reichtums aus der neuen Welt die Vorherrschaft über die Weltmeere, die sie allerdings bald wieder an die Briten verlieren sollten. Gleichzeitig wurde durch das Edelmetall aus Südamerika aber auch die erste große Inflation in Europa ausgelöst.

Für die einfachen Menschen in Europa brachte die Entdeckung der neuen Welt zumindest einen Fortschritt. Die Kartoffel fand ihren Weg aus den Anden in die Alte Welt. Ihr Anbau beendete die damals dort herrschenden Hungersnöte.

Die Ausstellung »Inka - Gold. Macht. Gott« läuft noch bis zum 26. November in der Völklinger Hütte in 66333 Völklingen, Rathausstraße 75-79; täglich 10 bis 19 Uhr, ab 6. November 10 bis 18 Uhr

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