Eine deutsche Geschichte

Der Tag, an dem ’68 begann: Vor 50 Jahren wurde Benno Ohnesorg ermordet

Berlin. Was immer man über den 2. Juni 1967 sagen will, es ist eine deutsche Geschichte. Und eine deutsch-deutsche ist es auch. Vor 50 Jahren wurde der Student Benno Ohnesorg am Rande der Proteste gegen den iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi von einem Polizisten aus nächster Nähe mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf ermordet. Die Tat wird zum Fanal, das Bild des sterbenden Ohnesorg zur Ikone, das Datum zum Symbol.

Deutsch ist die Geschichte, weil an diesem 2. Juni eine von alten Nazis durchsetzte Polizei in Westberlin in die Schlacht gegen jene zieht, die diese Vergangenheit kritisch hinterfragen. Deutsch-deutsch ist die Geschichte, weil der Täter für die DDR-Staatssicherheit spitzelt, auch wenn es keinen Zusammenhang mit dem Mord an Ohnesorg gibt. Das entscheidende Foto macht der Fotograf Jürgen Henschel, der in Westberlin für die aus Ostberlin finanzierte SEW-Zeitung »Wahrheit« arbeitet.

Deutsch erscheint die Geschichte auch, wenn man sich das Vertuschen, das Verbrämen der Verantwortlichen anschaut. Der Mord an Benno Ohnesorg läutet in Westdeutschland das lange Jahr 1968, den studentischen, kulturellen, gesellschaftlichen Aufbruch ein. Und er wird zum Bezugspunkt für jenen Teil der linken Szene, der glaubt, mit Gewalt für Befreiung sorgen zu können. Auch das: ein ziemlich deutscher Trugschluss.

»Der Tod von Ohnesorg ist auch nach 50 Jahren eine Wunde«, hat nun Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller von der SPD erklärt. Eine Wunde, »die schmerzt und nicht verheilt ist«. tos Seiten 2, 3 und 14

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