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Gedenken an Ermordung von Benno Ohnesorg

Berlins Justizsenator entschuldigt sich für Polizeieinsatz am 2. Juni 1967 / »Täter nicht oder nicht ausreichend belangt«

Berlin. 50 Jahre nach der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg durch eine Polizeikugel in Berlin hat Berlins Justizsenator Dirk Behrendt um Entschuldigung für den damaligen Polizeieinsatz gebeten. Behrendt äußerte sich am Freitag auf einer Gedenkveranstaltung vor dem Schöneberger Rathaus, wie ein Sprecher mitteilte.

Auf Twitter schrieb der Justizsenator anschließend: »Die Opfer dieser Gewalt & Willkür, deren Täter nicht oder nicht ausreichend belangt wurden, möchte ich um Entschuldigung bitten.«

Lesen Sie auch mit Abo-Zugang oder via Blendle: »Der Mörder vom Staatsschutz – ​Was trieb Karl-Heinz Kurras« und »Waffen, Hasch und Schokoküsse – Die Bewegung 2. Juni zwischen 1972 und 1980« sowie ein Interview mit Gabriele Rollnik und Karl-Heinz Dellwo über den 2. Juni 1967 und ihren Versuch, eine revolutionäre Bewegung in der BRD zu erzeugen.

Der damals 26-jährige Ohnesorg hatte am 2. Juni 1967 an den Protesten vor der Deutschen Oper gegen den Berlin-Besuch des persischen Schahs Reza Pahlavi teilgenommen. Die Demonstranten, die sich gegen Folter und Mord in Iran wandten, wurden von Anhängern des Schah mit Latten angegriffen.

Bei anschließenden heftigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei wurde Ohnesorg von dem Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras im Hof des Hauses Krumme Straße 66 erschossen. Die genauen Umstände der Schussabgabe aus etwa eineinhalb Meter Entfernung sind bis heute ungeklärt. Der später als Stasi-Spitzel enttarnte und 2014 verstorbene Kurras wurde in einem Gerichtsprozess aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Der Tod Ohnesorgs gilt als einer der Auslöser für eine weitere Radikalisierung der damaligen Proteste und bereitete auch linksterroristischen Gruppen wie der Rote Armee Fraktion (RAF) den Boden. Der Todesschuss aus Kurras' Dienstwaffe gab den Ausschlag für die Bildung der Außerparlamentarischen Opposition (APO), die alle gesellschaftlichen Normen der damaligen Zeit in Frage stellte.

Die zuvor auf Berlin beschränkten Proteste weiteten sich nach dem Tod des Studenten schnell auf Westdeutschland aus. In den Jahren danach schlugen einige der damaligen Aktivisten einen verhängnisvollen Weg ein: 1972 gründeten sie die terroristische »Bewegung 2. Juni«. Bereits 1970 waren die Gründer der RAF in den Untergrund gegangen. AFP/nd

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