Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Mindestens sieben Tote bei Anschlag in London

Lieferwagen rast in Menschenmenge / Behörden: Mehr als 50 Verletzte / Polizei erschießt drei Attentäter / Parteien setzen Wahlkampf aus

London. Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Großbritannien sind bei einem Anschlag in London mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Im Zentrum der britischen Hauptstadt raste ein Lieferwagen am Samstagabend in eine Menschenmenge, anschließend stachen die Angreifer wahllos auf Nachtschwärmer ein. Die Polizei erschoss drei Attentäter.

Laut Augenzeugen steuerte der Lieferwagen gezielt auf Passanten zu. BBC-Reporterin Holly Jones berichtete, der Wagen sei rund 80 Stundenkilometer schnell gewesen und auf den Bürgersteig in eine Menschenmenge gefahren.

Das Ehepaar Ben und Natalie stand vor der Markthalle Borough Market im Ausgehviertel nahe der Brücke: »Wir haben Leute wegrennen sehen, und dann habe ich einen rot gekleideten Mann mit einer langen Klinge - schätzungsweise 30 Zentimeter lang - gesehen, der mehrmals auf einen Mann eingestochen hat«, schilderte Ben dem Sender BBC. Das Opfer sei zu Boden gesunken. »Dann haben wir drei Schüsse gehört und sind gerannt.«

Ein anderer Augenzeuge sagte der BBC, die Angreifer hätten wahllos auf Menschen eingestochen und gerufen: »Das ist für Allah.« Der Anschlag ereignete sich wenige Minuten nach dem Ende des Champions-League-Finals zwischen Real Madrid und Juventus Turin. Zahlreiche Fußballfans verfolgten das Endspiel am Samstagabend in den Bars rund um den Borough Market.

Polizisten erschossen schließlich drei Angreifer. Laut dem Chef der Terrorabwehr von Scotland Yard, Mark Rowley, trugen die Männer Sprengstoffattrappen am Körper. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden 48 Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert, andere Opfer mit leichteren Verletzungen wurden vor Ort ambulant versorgt.

Premierministerin Theresa May erklärte, der Anschlag werde als »möglicher Terrorakt« behandelt. Sie berief für Sonntag eine Krisensitzung ihres Kabinetts ein. Am Donnerstag findet in Großbritannien eine vorgezogene Parlamentswahl statt. Die britischen Parteien verständigten sich als Folge des Anschlags darauf, ihren Wahlkampf aussetzen. Die Labour-Partei werde nach Absprache mit den anderen Oppositionsparteien bis zum Abend keinen Wahlkampf führen, sagte der Vorsitzende Jeremy Corbyn am Sonntag. Zuvor hatte die Konservative Partei von Premierministerin Theresa May eine Unterbrechung ihrer Kampagne angekündigt.

Der Anschlag wurde international verurteilt. »Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit«, erklärte Kanzlerin Merkel. »Ich bekräftige für Deutschland: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens.« Sie bekundete den Opfern und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme.

Auch die USA und Frankreich sagten Großbritannien ihre Unterstützung zu. »Was auch immer die Vereinigten Staaten tun können, um in London und in Großbritannien zu helfen, wir werden da sein«, schrieb US-Präsident Donald Trump im Onlinedienst Twitter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich stehe angesichts dieser »neuerlichen Tragödie mehr denn je an der Seite des Vereinigten Königreichs«.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem »gezielten und feigen Angriff auf unschuldige Londonerund Besucher unserer Stadt, die ihren Samstagabend genossen«. Es gebe keine Rechtfertigung für derartig »barbarische Taten«.

Es ist bereits der dritte Anschlag in Großbritannien binnen weniger als drei Monaten. Ende März war der mutmaßlich islamistische Attentäter Khalid Masood auf der Westminster Bridge im Zentrum Londons mit seinem Auto in eine Gruppe von Passanten gerast, vier Menschen starben. Vor dem Parlament erstach Masood dann einen Polizisten, ehe er selbst erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Am 22. Mai hatte sich der Selbstmordattentäter Salman Abedi am Ende eines Konzertes von US-Popstar Ariana Grande in Manchester in die Luft gesprengt und 22 Menschen mit in den Tod gerissen. 116 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern waren viele Jugendliche und Kinder. Grande schrieb in der Nacht zum Sonntag auf Twitter, sie »bete für London«. Agenturen/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln