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Ein Vorschlag, nicht zur Güte

Mit Königin Nzinga als Alternative für koloniale Straßennamen erntet die Jury einige Kritik

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Kontroverse entspinnt sich um die Umbenennung zweier Straßen und eines Platzes im sogenannten Afrikanischen Viertel in Wedding. »Welt«, »Berliner Zeitung« und »Tagesspiegel« kritisieren einen der sechs Namensvorschläge sowie die Zusammensetzung der Jury.

Vergangene Woche hatte die zuständige Bezirksstadträtin von Mitte, Sabine Weißler (Grüne), das Votum der von ihr eingesetzten Jury bekannt gegeben, die aus 196 von Anwohnern vorgeschlagenen Alternativen sechs Namen ausgewählt hatte. Erst am Tag der Pressekonferenz wurden zudem die Namen der Jurymitglieder bekannt. Diese hatten beschlossen, ihre Mitgliedschaft während des Prozesses geheim zu halten, weil sie »die innere Freiheit brauchten«, so Weißler.

Die Kritik entzündet sich nun am Vorschlag, eine Straße nach Nzinga von Ndongo und Matamba zu benennen, einer Königin aus dem 17. Jahrhundert auf dem heutigen Gebiet von Angola. »Königin des Sklavenhandels« titelt die »Berliner Zeitung«, weil Nzinga, nachdem sie den portugiesischen Kolonialisten einige Jahre Widerstand geleistet hatte, Profiteurin des Sklavenhandels geworden war. Der »Tagesspiegel« schreibt in Bezug auf den Nachtigalplatz, benannt nach Gustav Nachtigal, Reichskommissar für Deutsch-Westafrika: »Es wird einem Gegner des Sklavenhandels der Straßenname entzogen, um eine Straße nach einer Sklavenhändlerin zu benennen.«

Stimmt das? Weißler winkt ab. Die sechs Namen, damit fange es schon mal an, seien nicht die Vorschläge der Jury, sondern die der Anwohner. Darüber habe die Jury zweitens in einer Mehrheitsentscheidung befunden. Soll heißen: Nicht alle Mitglieder sind mit diesem Vorschlag glücklich. Ob Weißler es ist? »Das kommentiere ich nicht.« Drittens sei kein Name für eine bestimmte Straße vorgesehen, sondern diese stünden für alle drei zur Auswahl. Nun sollen die Ausschüsse über die Vorschläge beraten. Die letztendliche Entscheidung liegt dann bei der Bezirksverordnetenversammlung. Weißler sagt: »Das kann sich jetzt jeder selber ausrechnen, ob Frau Nzinga da eine Chance hat.«

Trotzdem will sie die Kritik am Vorschlag nicht stehen lassen und verweist auf eine Bildungsbroschüre der Vereinten Nationen von 2014, die Nzinga als antikoloniale Kämpferin in einem Comic porträtiert. »Ich habe gelernt, dass man afrikanische Geschichte ganz unterschiedlich interpretieren kann«, sagt die Stadträtin.

Christian Kopp von »Berlin Postkolonial« irritiert die Inschutznahme Nachtigals. Dieser habe es nicht als Afrikaforscher, sondern als Kolonialpolitiker zum Straßennamen gebracht. Zudem habe Nachtigal zur einen »Schutzvertrag« vom einheimischen König erpresst, indem er zwei von der deutschen Marine nach Berlin entführte westafrikanischen Geiseln länger als beauftragt an Bord seines Kriegsschiffes gefangen hielt. »Er hat etwas gemacht, was noch nicht einmal sein Auftrag war«, sagt Kopp. Und: »Eine Geiselnahme ist ja keine Kleinigkeit.«

Doch auch an der Zusammensetzung der Jury entzündet sich Kritik. So schrieb die »Welt« am Beispiel von Josephine Apraku, die Jury sei ein Netzwerk »hauptberuflicher Antirassisten«. Über Tahir Della behauptete die Zeitung, der »Nation of Islam« anzugehören und Rassentrennung zu befürworten. Della, Vorsitzender der »Initiative Schwarze Menschen in Deutschland«, sagt hingegen: »Ich bin nicht Mitglied und war auch nie Mitglied.« Der Vorwurf gehe auf ein falsches Zitat während einer Veranstaltung vor 20 Jahren mit Mitgliedern der »Nation of Islam« zurück. Er habe das so nie gesagt. »Meine politische Arbeit der letzten 20 Jahre spricht auch eine andere Sprache.« Er vermutet einen Angriff auf die Sache: »Das wird immer wieder rausgezerrt, wenn Entscheidungen in Misskredit gebracht werden sollen.«

Auch die Afrikawissenschaftlerin Apraku zeigt sich »wenig schockiert«. Dass sie und Della nicht für Nzinga gestimmt haben, kann man im Gespräch nur erahnen. Doch Apraku ist überzeugt: »Die Kritik zielt darauf, dass schwarze Frauen des antikolonialen Widerstands geehrt werden. Wir müssen uns nicht der Illusion hingeben, dass andere Namen eine andere Reaktion bewirkt hätten.«

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