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Die Rache der britischen Jungwähler

Eine hohe Wahlbeteiligung der Jugend trug Labour zum Erfolg bei den Parlamentswahlen

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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In den britischen Universitätsstädten gab es am Donnerstag lange Schlangen vor den Wahllokalen. Nicht zuletzt war dies auch einem neu geweckten Interesse von Studenten an der Politik auf der Insel geschuldet. In Newcastle gab es sogar einen kleinen Skandal, als mit den vielen neu registrierten Wählern überforderte Wahlhelfer dutzende Jungwähler wieder nach Hause schicken wollten, weil diese angeblich nicht in die Wahllisten eingetragen waren.

Noch sind es nur Schätzungen, doch die Vorsitzende der National Union of Students (NUS) geht davon aus, dass die Wahlbeteiligung bei den 18 bis 24-Jährigen Briten bei 72 Prozent lag. »Manche sind davon überrascht, wird sind es überhaupt nicht«, erklärte die Studierendengewerkschafterin.

Bei der letzten Wahl 2015 lag die Wahlbeteiligung für ihre Altersgruppe nur bei 43 Prozent. Bei der Altersgruppe darüber zwischen 25 und 34 Jahren beteiligten sich nur 54 Prozent. Im Gegensatz dazu zeigten sich die ältere Briten seit Jahren als verlässliche Wähler. Vor zwei Jahren gaben 78 Prozent der Briten in der Altersgruppe 65+ ihre Stimme ab. Übrigens mehrheitlich für die Konservativen.

Auch wenn noch keine detaillierten Zahlen zur Wahlbeteiligung vorliegen: In mehreren Universitätsstädten stimmten im Vergleich zu 2015 deutlich mehr Jungwähler für Labour. Sogar einen Stimmenzuwachs von über 15 Prozent bei Jungwählern unter 24 Jahren gab es in Bristol, Cardiff und Newcastle.

Schon bei vielen Wahlkampfveranstaltungen war Jeremy Corbyn vor allem von jungen Briten wie ein Rockstar gefeiert worden. Der Grund für den jugendlichen Enthusiasmus dürfte aber nicht nur Corbyns einnehmender Wahlkampf gewesen sein, sondern auch das was Andrew Rawnsley, Journalist vom britischen Observer, am Donnerstag als »die Rache der Jugend« bezeichnete.

2010 hatte die Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten die bisherige Obergrenze der Studiengebühren von 3200 Pfund auf 9000 Pfund pro Jahr erhöht, obwohl sich die Liberaldemokraten vorher für eine Abschaffung der Studiengebühren eingesetzt hatten. Labour verspricht dagegen in seinem aktuellen Wahlprogramm, die Studiengebühren in Großbritannien abzuschaffen. In seinem »Manifesto« erklärte Corbyn, dies bis zum September zu tun, sollte er gewählt werden.

Doch bei Wahl ging es Malia Bouattia und der Studierendengewerkschaft nicht nur um Studiengebühren. Die zwei zentralen Forderungen der NUS waren ein Schutz internationaler Studierenden und eine bessere Finanzierung der Universitäten. Die Regierung May hatte nach dem Brexit und dem damit verbundenen Ziel, die Migration nach Großbritannien zu reduzieren, verkündet, sie wolle weniger Visa für internationale Studenten vergeben. Während die Studiengebühren in den letzten Jahren immer weiter anstiegen, wurden die öffentlichen Mittel für die Hochschulen immer weiter gekürzt.

Man habe vor der Wahl »unermüdlich« daran gearbeitet die Studierende zu mobilisieren, schreibt die NUS-Vorsitzende Bouattia. Die Studierendengewerkschaft organisierte Wahlkampfveranstaltungen für einzelne Kandidaten und organisierte die Registrierung junger Wähler. Seit 2014 werden junge Briten nicht mehr automatisch ins Wählerverzeichnis eingetragen, sondern müssen sich individuell registrieren.

Seit den 70er Jahren war der Anteil junger Wähler, die sich in die Wählerlisten eintrugen, beständig gefallen. Nun erfolgte die Trendwende. 750.000 Erstwähler zwischen 18 und 24 Jahren hatten sich seit dem Brexit-Referendum in die registrieren lassen. Viele präsentierten am Donnerstag stolz auf sozialen Netzwerken ihre Stimmabgabe. Unter dem Hashtag #GenerationVote wurden soziale Netzwerke am Donnerstag mit Wahlbildern von Jungwählern geflutet. Wählen ist unter jungen Briten offenbar wieder cool.

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