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Nachrichten aus der roten Zukunft

Interventionistische Linke verteilte Zeitung mit positiven Fake News

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vorsicht Falle: Eine großformatige Tageszeitung informierte am Montag auf ihrer Titelseite, ab sofort sei die Benutzung von Bussen und Bahnen in der Hauptstadt kostenlos, inbegriffen die Fahrradmitnahme. »Niemand sollte wegen Armut auf Mobilität verzichten müssen«, zitierte das Blatt Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Doch das war nur eine von vielen Falschmeldungen in dieser Zeitung, die am Morgen gratis an verschiedenen Bahnstationen verteilt wurde. Das gesamte Blatt, das so ähnlich heißt wie die »Berliner Morgenpost« und so ähnlich aussieht wie die »Berliner Zeitung«, war ausschließlich mit derartigen Falschmeldungen gefüllt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass ein Leser auf die Zeitungsente hereinfiel, keinen Fahrschein löste und als Schwarzfahrer erwischt wurde. Denn der Charakter der Zeitung »Berliner Morgenrot« ließ sich schnell erkennen. Es war einfach alles zu schön, um wahr zu sein, was da auf acht Seiten präsentiert wurde: Der private Wohnungsmarkt ist abgeschafft. Es gibt für alle Berliner ein bedingungsloses Grundeinkommen. Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) setzt in der rot-rot-grünen Koalition durch, dass Abschiebungen nicht mehr stattfinden, illegal Eingewanderte eine anonyme Gesundheitskarte erhalten, alle Einwohner die Stadtbürgerschaft bekommen und wählen dürfen. Die Produktionsmittel sind zwar noch nicht vergesellschaftet. Es gibt jedoch eine Kommission, die sich darum kümmert.

Unglaublich und leider auch nicht wahr ist, was Moderatorin Heidi Klum im Interview über die nächste Staffel ihrer TV-Castingshow »Germany’s Next Topmodel« ankündigt: Von jetzt an möchte sie zu einem anderen Schönheitsideal beitragen. Feminismus sei wieder im Kommen. Man müsse ja an die Einschaltquote denken. Zum Schönheitsideal befragt äußert Klum: »Frauen sollen ihren Körper so akzeptieren können, wie er ist.« Auch wenn sie noch nicht alles verraten dürfe, so könne sie doch sagen: »Situationen wie in Staffel zwölf, als mein Kollege Thomas Hayo einer Kandidatin befohlen hat, ihre Achselhaare zu rasieren, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Ganz ehrlich: Achselhaare sind ein Zeichen von Weiblichkeit.«

Nun zur Wahrheit: Hinter der »Berliner Morgenrot« steckt die AG Besseres Morgen der Interventionistischen Linken Berlin (IL). »In Zeiten der Krise wenden sich viele Menschen den Rechtspopulisten zu«, erklärt Sprecher Jonas Schelling. »Viele können sich ein Leben ohne Angst und Konkurrenz gar nicht mehr vorstellen. Sie haben das Gefühl: Alles kann nur schlimmer werden. Dagegen wollen wir mit dieser Aktion ein Zeichen setzen und zeigen: Ein Zusammenleben in Solidarität könnte viel schöner sein, wir müssen nur dafür kämpfen.« Die IL habe viele Ideen, »wie eine Gesellschaft ohne Kapitalismus funktionieren könnte«. Es gehe nicht nur um Utopien, viele Veränderungen wären sofort umsetzbar. Die Zeitung zeige, »wie ein anderes Berlin aussehen könnte«.

Es ist auch nicht alles erfunden, was in diesem Blatt steht. Den Nulltarif für den Personennahverkehr in der estnischen Hauptstadt Tallinn, der als Vorbild für den angeblichen Nulltarif in Berlin hingestellt wird, den gibt es dort seit 2013 tatsächlich.

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