Von Nicolas Šustr

Grundstücke werden zu teuer

Landeseigenes Wohnungsunternehmen »Stadt und Land« macht sich Sorgen um Neubau

Luxushäuser gibt es in Berlin wie Sand am Spreeufer.
Luxushäuser gibt es in Berlin wie Sand am Spreeufer.

71,5 Millionen Euro Überschuss hat das landeseigene Wohnungsunternehmen »Stadt und Land« 2016 erwirtschaftet - fast doppelt so viel wie im Jahr davor. »Davon sind allerdings rund 30 Millionen Euro Rücknahmen einst vorgenommener außerplanmäßiger Abschreibungen«, schränkt Geschäftsführerin Anne Keilholz ein.

Eines ist damit klar: Die »Stadt und Land« hat genug Kapital, um das ambitionierte Wohnungsbauprogramm stemmen zu können. 2,3 Milliarden Euro will das Unternehmen bis 2026 in den Neubau von 11 500 Wohnungen und den Ankauf weiterer 5000 investieren. Bis zur Jahresmitte sollen allein 811 Neubauwohneinheiten fertiggestellt werden, zwei Drittel davon sind Ankäufe schlüsselfertiger Neubauprojekte.

»Wir sind davon überzeugt, dass der Ankauf von Bestandswohnungen einen Mehrwert bietet, weil bei uns die Mieten nur sehr gering steigen«, sagt Ingo Malter, Co-Geschäftsführer der »Stadt und Land«. Sein Unternehmen würde gerne weiter in größerem Umfang ankaufen, allerdings ist er skeptisch, ob das gelingt. »Es ist kein Markt mehr dafür da«, erklärt Malter. »Wir wären froh, wenn wir 1400 Wohnungen in den nächsten Jahren ankaufen könnten«, sagt der Geschäftsführer. Seit 2012 bis heute wurden 3900 Bestandswohnungen gekauft.

Der neue Neuköllner Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) könnte jedoch für Schützenhilfe sorgen. Für das Wohnhaus Liberdastraße 10 im Milieuschutzgebiet Reuterkiez übte das Bezirksamt das Vorkaufsrecht zugunsten der »Stadt und Land« aus. Erstmals wurde im Bezirk damit von diesem Instrument gebrauch gemacht. »Der Erwerb des Hauses in der Liberdastraße ist ein wichtiger Meilenstein, um den Austausch der Bevölkerung in vielen Teilen Neuköllns zu bremsen. Wir zeigen, dass der Bezirk seine Möglichkeiten beim Milieuschutz ausschöpfen will und kann«, sagt Biedermann.

Doch gewisses Kopfzerbrechen bereitet dem Unternehmen auch der Wohnungsneubau. So kommt man bei konkreten Projekten und Potenzialen nur auf 7328 Wohnungen, obwohl das Ziel bei 11 500 liegt. »Den Bauträgern fehlen die bezahlbaren Flächen genauso wie uns. Wie würden gerne mehr schlüsselfertig kaufen«, sagt Ingo Malter.

Doch möglicherweise ist die »Herausforderung Partizipation«, wie es die »Stadt und Land« nennt, also die frühzeitige Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten auch eine Chance. »Gelungen« nennt Malter diese beim Projekt an der Ortolfstraße in Altglienicke. Laut erster Planungsidee hätten zunächst 280 Wohnungen entstehen sollen, letztlich werden nun sogar 406 gebaut. »Die Anwohner wünschten sich einen behutsamen Übergang zwischen den Einfamilienhäusern und unseren Bauten«, berichtet Malter. Dem sei man mit Staffelgeschossen nachgekommen. »Das Werkstattverfahren bedeutete ungefähr einen Vorlauf von neun Monaten, dafür konnten wir sehr zügig und ohne Irritationen in das Bebauungsplanverfahren gehen«, stellt Malter zufrieden fest.

Fortschritte macht auch das Typenhaus, mit dem die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Baukosten sparen will. In Hellersdorf soll der erste Prototyp mit 120 Wohnungen entstehen (»nd« berichtete), das Ausschreibungsverfahren läuft im Moment. »Die ersten indikativen Angebote stimmen uns zuversichtlich, dass das zur Kostendämpfung beiträgt«, ist Malter optimistisch. Das Hausmodule ließen sich sogar wie bei Plattenbauten vorfertigen. Um eine größere Verbreitung und dadurch auch sinkende Kosten zu erreichen, sind die Hausentwürfe ohne Lizenzkosten frei verfügbar für Bauherren.

Sorgen bereitet Ingo Malter die abnehmende Akzeptanz von Neubauten in der Nachbarschaft. 2016 hatten damit 67 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von »Stadt und Land« kein Problem. Bei der Neuauflage 2017 waren es nur noch rund 61 Prozent, die das akzeptieren. »Wir sollten den rückläufigen Trend sehr genau im Auge behalten«, sagt Malter.

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