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Tobende Antisemiten

Netzwoche

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Da ist »Bild« diese Woche ein Aufreger gelungen: Während WDR und Arte auch nach Wochen der Debatte noch überlegten, ob und wann sie eine umstrittene Antisemitismus-Doku zeigen, dachte sich der Springer-Verlag: »Wenn die es nicht senden, tun wir es eben.« Alle Urheberrechtsbedenken über Bord geworfen, war die Doku »Auserwählt und Ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa« am Dienstag für 24 Stunden auf Bild.de zu sehen. Und weil das Netz nichts vergisst, ist der Film, bei dem es sich offensichtlich um eine unfertige Fassung handelt, weiterhin auf Youtube abrufbar.

Nachdem nun jeder die Doku im Internet sehen kann, wird diskutiert, ob »Bild« mit der Veröffentlichung mutig handelte und welche Fehler die öffentlich-rechtlichen Sender begangen haben. »Spätestens, als der Streit über die Ausstrahlung eskalierte und dadurch befeuerte überragende öffentliche Interesse an dem Film gegeben war, hätten der WDR und Arte die Doku zeigen müssen«, schreibt Anna-Maria Wagner vom Deutschen Journalistenverband auf djv.de. Wenn der »Bild« eine journalistische Einordnung gelinge, »warum genau konnten die öffentlich-rechtlichen Sender diese (...) nicht selbst vornehmen?«, fragt Wagner. »Kein Verdienst, sondern frech«, findet die NDR-Journalistin Anja Reschke dagegen die Veröffentlichung durch das Boulevardmedium. »Mit welchem Recht grätscht die ›Bild‹-Zeitung in die Hoheit und die Verantwortung anderer Redaktionen rein? Ist das jetzt das neue Geschäftsgebaren? (…) ›ARD druckt Beitrag, den Bild nicht drucken will!‹ - Na, auf die Reaktionen wäre ich gespannt«, kommentiert Reschke auf ndr.de. Ex-Bild-Herausgeber Kai Diekmann stichelte daraufhin via Twitter zurück: »Lieber frech als feige!« und ergänzte den Hashtag Zwangsgebühren.

Dass die »Bild« den Fall auch dazu nutzt, sich einmal mehr zum schärfsten Kritiker der Öffentlich-Rechtlichen aufzuschwingen, schreibt René Martens auf taz.de. »Dass der Online-Ableger der ›Bild‹-Zeitung am Dienstag nun die Möglichkeit nutzte, sich als Akteur der Aufklärung im klassisch öffentlich-rechtlichen Sinne zu profilieren (…) gehört fraglos zu den Treppenwitzen der jüngeren deutschen Mediengeschichte.« Möglich sei dieser Treppenwitz erst durch »ein paar tollpatschige Manager von Arte und WDR« geworden.

Von einer verdienstvollen Entscheidung der »Bild«-Zeitung schreibt Christian Bommarius auf berliner-zeitung.de. Die Dokumentation sei »ein anspruchsvoller, wichtiger Beitrag zur Aufklärung über den grassierenden Antisemitismus.« Umso verstörender sei die Zensur des Arte-Programmdirektors, der die Ausstrahlung verhinderte.

Joachim Huber nimmt die Öffentlich-Rechtlichen auf tagesspiegel.de etwas in Schutz: »Arte und WDR sind Sender, die sich beim Thema Antisemitismus wieder und wieder engagiert haben. Sie haben sich nichts vorzuwerfen - und sind jetzt doch auf die schiefe Ebene geraten.« Noch bevor »Bild« die Eigeninitiative ergriff, kam Huber zu dem Schluss: »Fällt die Ausstrahlung aus, wird der jubeln, der niemals jubeln darf: der Antisemit.« Der feiert jetzt nicht, sondern tobt sich nun im Internet über die Doku aus.

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