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Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Begegnung mit der Natur soll sich ja positiv auf den Menschen auswirken. Von der Natur weiß man das nicht so genau. Nehmen wir als Beispiel das nd-Feuilleton. Dort hospitiert seit einiger Zeit ein Hund. Er liegt in seiner Ecke, wartet auf seinen regelmäßigen Ausgang und hört sich die anspruchsvollen Gespräche zwischen den Feuilletonisten sowie deren Telefonate mit ihren Autoren an. Manchmal wird er froh sein, dass er sich da heraushalten kann, aber am Abend verlässt er die Redaktion angefüllt mit Erkenntnissen und Ansichten zur Zeit. Jeder Kollege, der ihm begegnet, freut sich wenigstens einen Moment lang. Woanders nennt man so etwas tiergestützte Therapie. Immerhin können wir sicher sein, dass er keine Dienstgeheimnisse verrät.

Oder die Krähen. Sie kehren regelmäßig auf dem Fensterbrett der Chefredaktion ein, verzehren mitgebrachte Speisen und erfrischen sich am bereitgestellten Wassernapf. Dabei sitzen sie kaum eine Armlänge von den Mitarbeitern entfernt und schauen uns durch die Fensterscheibe zu. Wahrscheinlich ist es für sie wie ein Besuch im Menschenzoo: Für eine kleine Weile betrachten sie diese merkwürdigen Wesen, die da hinter Glas eingesperrt sind und in immer der gleichen Pose an einem Holzgestell hocken und in einen Kasten blicken. Dann fliegen sie wieder davon, und falls sie darüber nachdenken, wer es besser hat - sie in der Freiheit oder diese Kreaturen da drin -, dann dürfte ihre Entscheidung klar sein.

Wenn die Natur in den Büroalltag einbricht, lernt man die Kollegen übrigens besser kennen. Ein Blumenstrauß, gepflückt im Unkrautparadies unweit der Arbeitsstelle (ein lokales Produkt also, ökologisch einwandfrei), ermöglicht interessante Studien. Die Reaktionen lassen sich, grob gesagt, in fünf Kategorien einteilen. Da gibt es erstens jene, die den Strauß nicht zur Kenntnis nehmen oder höchstens aus den Augenwinkeln einen Blick darauf werfen. Zweitens fragen die eher Interessierten, wo um Gottes Willen man diese wunderbaren Blumen gefunden habe - oder ob sie etwa auf der IGA geklaut wurden. Eine dritte Gruppe bricht in den Ausruf »Oh, wie schön!« aus - dies vor allem Frauen. Genderpolitisch davon sauber getrennt ist die vierte, vorzugsweise männliche Gruppe, die nur wissen will, womöglich in der Hoffnung auf ein Stück Kuchen: »Hat jemand Geburtstag?«

Die fünfte Kategorie besteht praktisch ausschließlich aus dem Wissenschaftsredakteur. Das ist ein Kollege, der sich für alles interessiert. Das prächtige Farbenspiel der Blüten jedoch, der Duft, den sie verströmen - das ist ihm nicht zugänglich. Er ist ein Mann der Systematik. Über den Strauß gebeugt, sagt er: »Da, ein Schmetterlingsblütler.« Ist es nicht wunderbar, mit Fachkräften zusammenzuarbeiten?

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