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SED-Politbürosiedlung ist Denkmal

Die Bernauer Waldsiedlung, einst Wohnort der DDR-Führung, wird unter Schutz gestellt

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mehr als 27 Jahre sind vergangen, seit die letzten Familien der entmachteten SED-Führungsmitglieder ihre Wohnhäuser in der lange vor den Augen der Öffentlichkeit verborgenen Funktionärssiedlung geräumt hatte. Im Sommer 1990 waren die 23 schlichten Häuser unter der Ägide des DDR-Gesundheitsministeriums längst zum Rehabilitationszentrum Bernau-Waldfrieden umfunktioniert worden und mit rund 200 Patienten belegt. Der damalige Landkreis Bernaus leitete zu dieser Zeit gemeinsam mit der westdeutschen Klinikbetreiber-Familie Michels den Aufbau der privaten Brandenburg-Klinik im ehemaligen Innenring der Politbüro-Siedlung in die Wege. Am privaten wie baulichen Erbe der ehemals »führenden Genossen« bestand lange Zeit kein Interesse - zumindest von offizieller Seite.

Das ist ab sofort anders. Die ehemalige SED-Waldsiedlung im Stadtteil Waldfrieden von Bernau (Barnim) steht unter Denkmalschutz. Darüber informierte am Freitag Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) bei einem Vororttermin im früheren Funktionärsclub, dem heutigen Kultursaal der Brandenburg-Klinik. Münch übergab dort die Denkmalschutz-Plakette an Klinikchef Karl-Josef Michels.

»Die Waldsiedlung ist aufgrund ihres singulären Charakters und ihrer besonderen Authentizität in besonderer Weise dafür geeignet, sich mit der Geschichte und insbesondere den Machtstrukturen der DDR auseinanderzusetzen«, erklärte die Ministerin.

Der Bernauer Bürgermeister André Stahl (LINKE) stellte klar, dass die Funktionärssiedlung nicht, wie oft behauptet, zum benachbarten Wandlitz sondern seit jeher zur Stadt Bernau gehört. Die Unterschutzstellung findet er folgerichtig, die Zeit sei reif dafür: »An dieser Stelle wird uns äußerst plastisch vor Augen geführt, welchen Wandel die Waldsiedlung seit der politischen Wende durchlebt hat. Was zu DDR-Zeiten eine hermetisch abgeschottete Wohnsiedlung für einige wenige war, hat sich inzwischen zu einem modernen und offenen Gesundheitsstandort entwickelt.« Stahl verwies darauf, dass in dem Stadtteil inzwischen mehr als 1000 Menschen wohnen, rund 1000 Mitarbeiter seien in der Klinik beschäftigt, deren Gesundheits-, Reha- und Senioreneinrichtungen 1000 Patienten betreuten.

Eine »komplette« Unterschutzstellung, wie Münch betonte, ist nach all den Jahren ein gewagter Anspruch, denn viel Authentisches, vor allem private Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände - von Haushaltselektronik über Meißner Porzellan bis hin zu Kunstwerken - der in aller Eile geräumten Wohnhäuser sind bereits in den Wendewirren »verschwunden«. Dies gilt leider auch für etliche hochkarätige Kunstwerke namhafter DDR-Künstler aus den Außenanlagen. Auch sind das schlichte Äußere, vor allem aber die Innengestaltung der Häuser inzwischen baulich erheblich verändert worden.

Unter Schutz gestellt werden, wie das Kulturministerium mitteilte, alle erhaltenen Teile der Anlage - das Haupttor samt Wachgebäude, die Abschnitte der Innenringmauer, die Funktionärswohnhäuser, der Veranstaltungssaal des Funktionärsclubs sowie die Frei- und Grünflächen.

Landeskonservator Thomas Drachenberg erinnerte daran, dass die Politbürosiedlung unter anderem als Konsequenz des »Desasters von 1953«, der Arbeiterproteste in der DDR um den 17. Juni, konzipiert und ab 1958 gebaut worden sei. Sie sei der private Lebensmittelpunkt der DDR-Machtelite gewesen und zum Symbol für deren Realitätsverlust und auch für deren Selbstbedienungsmentalität geworden. Drachenberg nannte »Wandlitz« eine »Perversion der kommunistischen Idee«.

Der Bürgermeister sucht gemeinsam mit der Klinik und dem Land nach Wegen, das historisch bedeutsame Areal der Waldsiedlung einer breiteren Öffentlichkeit zu erschließen. Ein geeigneter Ort für ein Informationszentrum wäre das weitgehend original erhaltene Haus Walter Ulbrichts.

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