Von Olaf Standke

Beschämender Rekord

Olaf Standke über den UN-Flüchtlingsreport

Afrikanische Migranten im Hof eines Flüchtlingslagers in Tripolis.
Afrikanische Migranten im Hof eines Flüchtlingslagers in Tripolis.

65,6 Millionen Menschen, mehr als Großbritannien Einwohner hat - noch nie mussten so viele Menschen weltweit vor Krieg, Gewalt, Verfolgung und Not fliehen. Der Bericht des UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) für das Jahr 2016 ist ein Report über menschliches Leiden und politisches Versagen. Die beste Nachricht ist noch, dass sich das Wachstum der Flüchtlingszahlen in Millionengröße aus den Jahren zuvor abgeschwächt hat. Es fehlt am Willen, oft seit Langem andauernde Konflikte beizulegen, und an politischer Vernunft, neue nicht eskalieren zu lassen. So ist Syrien mit 5,5 Millionen Vertriebenen weiter das am schwersten betroffene Land, und die größte Zahl hinzu gekommener Flüchtlinge stammt mit 1,87 Millionen Menschen aus Südsudan, wo die Friedensbemühungen mit katastrophalen Folgen gescheitert sind. Fast zwei Drittel der von der UNO Erfassten sind inzwischen in ihrer Heimat auf der Flucht, oft sind es ohnehin arme Länder. Und doch mangelt es an ihrer robusten finanziellen Ausstattung und anderer nachhaltiger Hilfe durch die reicheren Staaten. Nach wie vor wird weltweit ein Vielfaches der Mittel für die Bekämpfung von Fluchtursachen für Rüstung und Krieg verpulvert, während gerade die EU versucht, die Verantwortung für Flüchtlinge an Drittstaaten abzuwälzen. Auch dieser Trend ist ungebrochen.

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