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Queeres Picknick trotzt dem Streit

Der alternative Christopher Street Day schien tot – Aktivisten feiern nun spontan

  • Von Ellen Wesemüller und Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Jetzt also doch. Am kommenden Samstag wird der Kreuzberger Christopher Street Day (KCSD) gefeiert – wenn auch ohne Demonstration und Programm. Unter dem Motto »Kein XCSD, kein Problem« ruft die Gruppe »Make Queer a Threat Again« dazu auf, mittags auf dem Mariannenplatz zu picknicken. Ein Initiator, der anonym bleiben möchte, sagte dem »nd«: »Es gibt keinen Umzug, keine Rede, keine geplanten Performances, keine Musik. Es ist mehr ein queeres Picknick als ein richtiger Kreuzberger CSD. Wir haben das für alle Leute gemacht, die traurig waren, dass es keinen queeren Tag geben sollte.«

Tatsächlich waren nicht alle enttäuscht über die Aussicht der entfallenden alternativen Demonstration für Lesben, Schwule, Transgender, Bi- und Intersexuelle. Es gebe keinen Grund zur Trauer, lautete der Tenor eines Artikels der linken Wochenzeitung »Jungle World« im Mai. Der Unterschied zum großen CSD sei nur noch ein lebensweltlicher. In den Foren sozialer Medien äußerten sich ehemalige Organisatoren gleichzeitig zermürbt und erleichtert darüber, dass es dieses Jahr keinen CSD in Kreuzberg geben soll.

Vorausgegangen war ein Streit, der im vergangenen Jahr das Orga-Team und die gesamte Community spaltete. Im Mittelpunkt standen zwei Redebeiträge der Gruppe »Berlin Against Pinkwashing« und des Wagenplatzes »Kanal«. Als antisemitisch und hetzerisch empfanden viele diese Beiträge, die Teilnehmer beschuldigten sich im Nachhinein gegenseitig, physische Gewalt angewendet zu haben. Die Organisatoren scheiterten nach eigenen Aussagen daran, das Geschehene aufzuarbeiten, und veröffentlichten im September und Oktober separate Statements. Darin kündigten einige Kreuzberger Institutionen an, sich aus der Organisation zurückziehen zu wollen.

Angesichts der ausbleibenden Feier zeigten sich einige ehemalige Organisatoren jedoch auch enttäuscht. Im Mai sagte Tülin Durman, Geschäftsführerin der Kneipe Südblock, dem Magazin »Siegessäule«: »Natürlich wäre das sehr schade. Die Welt dreht gerade durch und die queere Szene in Berlin muss sich zerfleischen.« Dementsprechend erfreut ist man im Südblock über die Nachricht, dass es nun doch anders kommt. Friederike, die hier arbeitet und ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: »Ich würde mal tippen, es freuen sich eher alle, dass was passiert. Bestimmt werden da einige Leute hingehen.« Sie habe keine Ahnung, wer hinter dem Aufruf stehe. »Ich persönlich finde das gut.« Der Südblock werde aber nicht offiziell teilnehmen.

Auch beim Konzertsaal SO36 ist man erfreut. Sprecher Pasqual Schwarz sagt: »Wir freuen uns, dass aus der Community heraus etwas stattfindet. Wir sind da aber kein stückweit involviert.« Auch er habe keine Ahnung, wer hinter dem Aufruf stehe. Das SO36 werde nicht offiziell auftreten, privat gingen sicherlich einige Mitarbeiter hin. »Wir halten uns da ganz bewusst zurück dieses Jahr, nach 20 Jahren in der ersten Reihe.«

Einige ehemalige Organisatoren wollen nicht zitiert werden. Zu frisch sind die Wunden des vergangenes Jahres, zu tief die Gräben. Ob »Berlin Against Pinkwashing« oder die Wagenburg »Kanal« dem Aufruf folgen, ist unklar – entsprechende Anfragen blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Auch ob die Veranstaltung beim Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg angemeldet wurde, konnte Ordnungsstadtrat Andy Hehmke (SPD) bis Redaktionsschluss nicht bestätigen.

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