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Verkehrschaos an der Wuhlheide

Schon jetzt fehlt ein Mobilitätskonzept für das Stadion An der Alten Försterei

Spieltage des 1. FC Union bedeuten oft kilometerlange Staus für Köpenick, die auch den Straßenbahnverkehr massiv behindern. Besonders heftig wird es, wenn die S-Bahn wegen der seit Jahren andauernden Bauarbeiten mal wieder eingeschränkt oder gar nicht fährt oder ein sogenanntes Risikospiel ansteht, bei dem Fangruppen getrennt werden. Für den kompletten Verkehrszusammenbruch im Bezirk reicht es aber schon, wenn freitags gespielt wird. »Dann kollidieren Anreise und Feierabendverkehr«, sagt Jörg Becker, Verkehrsexperte des Autoclubs ADAC Berlin-Brandenburg.

Wie soll das erst aussehen, wenn die Kapazität der Arena fast verdoppelt wird? »Es muss auf jeden Fall eine verkehrspolitische Konferenz zu dem Thema geben«, sagt Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbands IGEB. »Vor allem muss die Situation um den Bahnhof Köpenick entzerrt werden«, so Wieseke. »Wenn man an Spieltagen die Rudolf-Rühl-Allee für den Autoverkehr sperrt, könnte der Bahnhof Wuhlheide eine gute Ausweichmöglichkeit darstellen«, schlägt der Fahrgastvertreter vor. Knapp zwei Kilometer ist die Station vom Stadion entfernt - für gesunde Erwachsene eigentlich kein Problem.

»Es kommen immer noch sehr viele Leute zu den Union-Spielen mit dem Auto«, beklagt Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Was aber auch daran liegen dürfte, dass jahrelang an Spieltagen kaum zusätzliche Straßenbahnen fuhren - sie passten nicht in das Konzept der betriebswirtschaftlichen Optimierung. »Natürlich muss die BVG Tram-Verstärkerfahrten zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Schöneweide anbieten«, sagt Wieseke. Aber auch Union muss sich bewegen. Im Gegensatz zu Hertha BSC ist in den Eintrittskarten von Union kein Fahrschein für öffentliche Verkehrsmitteln enthalten. »Wenn sie so an der Alten Försterei hängen, dann müssen sie auch die 1,50 bis zwei Euro Aufschlag pro Ticket akzeptieren«, findet der Fahrgastvertreter.

Jörg Becker vom ADAC wünscht sich noch weitere Zusatzstraßenbahnen ins Allendeviertel und nach Adlershof: »Dann könnten dort am Wochenende ungenutzte Parkplätze Stadionbesuchern dienen.« Vor allem dürfe man das Ganze nicht einfach Otto Normalverbraucher überlassen. »Es braucht ein abgestimmtes Konzept«, fordert Becker.

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