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Ein Stück Gemünden in San Marino

Deutsche Illustratoren gestalten die neuen Euromünzen für das kleine Land

  • Von Christiane Gläser, Gemünden
  • Lesedauer: 4 Min.

Vera Ludwig setzt den Stift konzentriert auf das durchsichtige Blatt Papier. Vorsichtig zieht sie mit schwarzer Tusche erst einen geraden Strich, dann noch einen und noch einen. Auf dem Blatt zeichnen sich nach und nach mehrere Burgtürme ab. Es folgen Zinnen, Fenster, Felsen und zu guter Letzt das Gesicht des heiligen Marinus - dem Nationalheiligen von San Marino. Die Illustratorin zeichnet damit ein Wahrzeichen des italienischen Kleinstaats. Das Bild wird von Ende Juni an alle neuen Zwei-Euro-Münzen von San Marino zieren.

Denn Vera Ludwig und ihr Mann Arno durften die neuen Münzen für das von Italien umschlossene Land gestalten. Damit steckt in den neuen Euromünzen aus der kleinen Republik auch ein Stück Deutschland, genauer gesagt ein Stück Gemünden am Main (Bayern).

Dass das Illustratorenpaar an diesen prestigeträchtigen Auftrag gekommen ist, verdankt es einem Zufall. »Über einen Freund haben wir eine Suchanfrage bekommen, die San Marino beim Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner gestellt hatte. Und dann haben wir uns einfach beworben«, erinnert sich Arno Ludwig. Gefragt wurde nach »jungen, modernen, talentierten und erfahrenen deutschen Münzdesignern«. »Jung sind wir zwar nicht mehr, aber der Rest passte«, sagt der 56-Jährige und schmunzelt.

Also haben Ludwig und seine Frau ein paar grobe Zeichnungen eingereicht. »Und die waren begeistert.« Zunächst gestaltete das Künstlerpaar eine Gedenkmünze für San Marino. Wenig später wurden sie schließlich für die neuen Euromünzen angefragt, die am 26. Juni ausgegeben werden sollen.

Aber warum hat sich das Land nicht für einen lokalen Designer entschieden? »Münzen zu zeichnen, ist eine sehr schwierige und spezialisierte Arbeit. Das erfordert eine lange Ausbildung und viel Erfahrung«, sagt Laila Benvenuti vom Amt für Briefmarken und Münzen des Finanzamtes von San Marino. Zwar gebe es in San Marino eine Design-Universität, aber eben keine Kurse für Münzgestaltung. Und auch in Italien gebe es nur eine Medaillenschule. »Arno wurde uns von unserem ehemaligen Präsidenten empfohlen. Und nun ist es eine sehr nette und wertvolle Zusammenarbeit geworden«, betont Benvenuti.

Die Ludwigs illustrieren seit Jahrzehnten Münzen. Vor allem für Sammler. Ob Autos, Orte, Gesichter, Fußballthemen - »mehr als 20 000 Motive haben wir in den vergangenen 25 Jahren gemacht«, so Arno Ludwig. Seit es immer weniger Sammler gibt, lassen diese Aufträge aber deutlich nach. Stolz ist Arno Ludwig darauf, dass er in den 90er-Jahren die Juniortüte für die Fastfood-Kette McDonalds gestalten durfte.

Für den aktuellen Auftrag ist er extra nach San Marino gereist. »Ich bin herumgeführt worden, habe überall Fotos für die spätere Motivauswahl gemacht. Wobei es da natürlich auf dem kleinen Raum gar nicht so viele Möglichkeiten gibt«, sagt Ludwig. San Marino ist nur gut 60 Quadratkilometer groß. Ludwigs kleiner Heimatort Gemünden in Unterfranken ist mit 75 Quadratkilometern sogar größer. »San Marinos Architektur und die Landschaft sind sehr beeindruckend und imposant. Die Türme auf der Felskante, die schmalen Gassen - das ist alles schon toll anzusehen.«

Schon früh stand fest, welche Motive den Weg auf die neuen Euromünzen finden werden - der heilige Marinus, die berühmten alten Wehrtürme des Kleinstaats, die Fassade der Kirche, das Kloster San Francesco, die Kapuzinerkirche, das Stadttor und natürlich auch das Wappen der Republik. Und auf allen Münzen finden sich die Initialen von Arno Ludwig.

»Wir haben von Anfang an seinen Stil und die detaillierten Zeichnungen sehr geschätzt«, heißt es weiter von offizieller Seite. Ludwig habe damit das »echte Bild von unserer Republik« auf die Münzen gebracht.

In wenigen Tagen werden nun also fast 1,7 Millionen neue Euromünzen in Umlauf gebracht werden. Arno Ludwig hofft, dass er sie auch bald in die Hände bekommt. »Vielleicht schicken sie mir ja einen Satz zu oder laden mich ein, ihn persönlich abzuholen«, sagt Ludwig. Sein größter Wunsch aber wäre, irgendwann einmal die deutschen Euromünzen gestalten zu dürfen. »Das habe ich auch schon mal bei (Bayerns Finanzminister) Markus Söder angefragt, aber leider nie eine Antwort erhalten.« dpa/nd

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