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Kokain und Heroin sind auf dem Vormarsch

255 Millionen Menschen auf der Welt nehmen illegale Drogen / Produktion harter Rauschmittel schnellt nach oben

Während an diesem Montag am Weltdrogentag Politiker Reden gegen den Missbrauch psychoaktiver Substanzen halten, werden sich vielleicht 183,3 Millionen Menschen einen Joint anzünden, 21,6 Millionen eine Ecstasy-Pille einwerfen, 17,1 Millionen eine Line Koks durch die Nase ziehen und knapp zwölf Millionen Menschen einen Schuss setzen. Denn alles in allem nehmen rund um den Globus 255 Millionen Menschen illegalisierte Drogen, wie der Weltdrogenbericht der UN zeigt. 29,5 Millionen von ihnen hat der Konsum krank gemacht.

Im Dezember 1987 hatte die UN deshalb beschlossen, den 26. Juni als Weltdrogentag zu begehen. In den USA wütete damals die Crack-Epidemie. Der Berliner Bahnhof Zoo und der Züricher Platzspitz waren weithin bekannte Hotspots der Heroin-Junkieszene und der damalige US-Präsident Ronald Reagan führte den von seinem Vorgänger in den 1970er Jahre begonnen »War on Drugs« (Krieg gegen die Drogen) mit aller Härte fort. Doch mittlerweile setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass mit Verboten allein dem Drogenmissbrauch nicht beizukommen ist.

Anfang 2016 etwa sorgte Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan für großes Aufsehen, als er für die Legalisierung von Rauschmitteln eintrat. »Wir müssen akzeptieren, dass eine drogenfreie Welt eine Illusion ist«, schrieb er damals in einem viel beachteten Beitrag. Verbote hätten bislang kaum eine Auswirkung auf das Angebot an oder die Nachfrage nach Drogen gehabt. »Weltweit war der ›Krieg gegen die Drogen‹ nicht erfolgreich«, so Annan. Stattdessen führe die weit verbreitete Kriminalisierung und Bestrafung von Drogen­konsumenten zu überfüllten Gefängnissen - und dies bedeute, dass der »Krieg gegen die Drogen« zu einem erheblichen Grad ein Krieg gegen Menschen sei.

Weltweit sind vor allem die harten Drogen Heroin und Kokain wieder auf dem Vormarsch, wie die UN-Zahlen zeigen. So stieg die Anbaumenge der zur Kokainproduktion notwendigen Kokapflanze von 2013 bis 2015 um 30 Prozent. Allein 2015 wurden daraus schätzungsweise 1125 Tonnen reines Kokain hergestellt. Zurückzuführen ist dies laut der UN auf den verstärkten Anbau der Kokapflanze in Kolumbien. Gleichzeitig gibt es erste Anzeichen, dass der Kokainkonsum nach einer Periode des Rückgangs in Nordamerika und Europa wieder zunimmt - den beiden größten Märkten für dieses Rauschmittel.

Ähnlich ist die Entwicklung bei Heroin und anderen Opiaten. Um acht Prozent ist die Größe der Anbauflächen 2016 gestiegen. Die Produktion von Opium, dem Ausgangsprodukt aller Opiate, legte sogar um ein Drittel zu. Grund hierfür sind laut der UN vor allem ertragreichere Ernten in Afghanistan, das mit zwei Drittel aller Anbauflächen weiterhin mit großem Abstand der größte Opiumproduzent der Welt ist. Gleichzeitig stieg offenbar aber auch die Produktion in den beiden anderen großen Anbaugebieten Myanmar und Lateinamerika. So kommen mittlerweile zehn Prozent des weltweit beschlagnahmten Heroins aus Lateinamerika, wo Schlafmohn vornehmlich in Mexiko und Kolumbien kultiviert wird.

Laut den UN-Drogenexperten geht dies Hand in Hand mit einer Heroinepidemie in den USA. 828 000 Menschen nehmen dort Heroin und zwölf Millionen missbräuchlich verschreibungspflichtige Opioide. Seit der Jahrtausendwende schnellte die Anzahl der tödlichen Heroinüberdosen in den Vereinigten Staaten dadurch nach oben, von rund 2000 im Jahr 2002 auf fast 13 000 im Jahr 2015.

Für kriminelle Banden und mitunter auch Terroristen sind solche Süchte ein einträgliches Geschäft: Allein in Europa werden im Handel mit illegalen Drogen jährlich bis zu 30 Milliarden Euro umgesetzt. Neun Milliarden entfallen dabei auf den Handel mit Cannabis, 5,7 Milliarden auf den mit Kokain und sieben Milliarden auf das Heroingeschäft. Diese Droge wird meist über die sogenannte Balkanroute aus Afghanistan herangeschafft, wo übrigens 85 Prozent aller Anbauflächen in Territorien liegen, in denen die Taliban aktiv sind.

Immerhin findet zumindest in Bezug auf Cannabis in einigen Ländern wie Kanada, Uruguay und Teilen der USA ein Umdenken statt, so dass der Handel legalisiert wird. Es wäre für diese Länder und die internationale Gemeinschaft hilfreich, wenn sie genau untersuchen würden, was für Auswirkungen diese Legalisierungen auf die öffentliche Gesundheit und die Kriminalstatistik haben, gibt die UN diesen Ländern vorsichtig mit auf den Weg.

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